Tag 11: Attacke!

Die Challenge

… siehe den Beitrag zu Tag 1

Tag 11

Wie Sie vermutlich bemerkt haben, konnte ich in den letzten paar Tagen nicht ganz mit der Bearbeitung meines Experiments und der Berichterstattung darüber Schritt halten. [Was den Autoren des Buchs „Wandern im Wienerwald“ auch manchmal so geht – daher haben wir praktisch für alles Verständnis; Anm. d. Red.] Aber ich versuche das jetzt aufzuholen …

Am elften Tag konnte ich endlich meine angekündigten Schwerttests vorbereiten und möchte nun meine Ausrüstung und die von mir verwendeten Quellen etwas genauer vorstellen:

Ich begann den Tag wie gewohnt mit meiner Plumentum-Mischung und etwas frischem Posca (ich habe jetzt endlich eine wirklich gute Mischung gefunden, die ich hier zu einem späteren Zeitpunkt vorstellen werde). Dann überlegte ich mir einen Versuchsaufbau für meinen Schwert- und Speertest. Mir war es dabei wichtig, ein realistischeres Aufprallverhalten zu simulieren, als dies bei solchen Experimenten normalerweise der Fall ist. Ich glaube nämlich, dass es ein Fehler ist, das Versuchsobjekt an einem unbeweglichen Objekt zu befestigen — ebenso, wie es lose in der Luft baumeln zu lassen oder zu stark zu fixieren. Soldaten stehen schließlich auch nicht stocksteif da, sondern bewegen sich, agieren und weichen aus, so gut sie können, wenn sie einen starken Schlag spüren. Selbst wenn diese Bewegung nicht sehr heftig ausfällt, verändert sie die gesamte Physik des Aufpralls.

Ich kaufte daher ein großes Stück Schweinebauch und ein paar Schweinerippen und hängte sie mit einem 15 Kilogramm schweren Gegengewicht auf der Terrasse auf.

Da der Zurückweichreflex normalerweise nicht so schnell ist wie ein unerwarteter Angriff, brauchte ich einen kurzen Widerstand, der dann nach einem vorgetäuschten anfänglichen Schock des Gegners überwunden wird. Also stellte ich das Gegengewicht neben ein vier Zentimeter hohes Betonhindernis, über das es schließlich rollen konnte. Diese Anordnung simuliert meiner Meinung nach einen Angriff besser als ein festes Ziel.

Ich führte mit allen Waffen die folgenden Schritte aus:

  • auf ein Stück Fünf-Millimeter-Kettenhemd ohne darunterliegende Polsterung zustechen
  • auf ein Stück Sechs-Millimeter-genietetes-Kettenhemd mit Filzpolsterung zustechen
  • auf nacktes Fleisch zustechen
  • auf ein gepolstertes und ungepolstertes Kettenhemd schlagen
  • auf ungeschütztes Fleisch schlagen

Für die Tests verwendete ich folgende Waffen:

  1. einen Speer aus dem 4. Jahrhundert
  2. die neue Spatha aus dem 4. Jahrhundert von Leonardo Daneluz
  3. einen Latène-D-Speer von Stefan Fromm
  4. und ein Latène-D2-Schwert ebenfalls von Stefan Fromm
Oben: Latène D2 von Stefan Fromm, Unten: Variation basierend auf Budapest Bécsi út Grab 2 Ende des 4 Jhdts. von Leonardo Daneluz

Fazit: Keine der Waffen konnte die Kettenhemden durchdringen oder beschädigen. Wäre das Ziel fixiert gewesen, so hätten einige der Waffen sicherlich in das Kettenhemd eindringen können, aber das hätte das Ergebnis verfälscht. Mein Setup ist sicher auch nicht ganz ideal, aber es zeigt deutlich, was für einen guten Schutz ein Kettenhemd an einem lebenden, sich bewegenden Körper bietet. Ich höre immer das Klischee, dass das Aufgeben der Segmentata [einer Art Panzerung, Anm. d. Red.] ein Zeugnis für den Niedergang der römischen Armee war. Die Segmentata ist jedoch über- und untertechnisiert. Es stimmt, dass man sie auf einem starren Ziel nicht durchdringen kann, aber so verhalten sich Soldaten im Kampf nicht, sondern sie bewegen sich. Außerdem bedeckt die Segmentata auch viel weniger Oberfläche als das spätere Kettenhemd. Ein Kettenhemd bietet ausreichenden Schutz, ist selbstreinigend, leicht zu verstauen und zu reparieren und außerdem viel flexibler, was in einer Kampfsituation wichtiger ist als der Schutz. Die einzige Waffe, die trotz des Kettenhemds Schaden anrichten konnte, war die panzerdurchbrechende Speerspitze aus dem 4. Jahrhundert, die aufgrund ihrer schlanken Form leicht durch die Ringe des Kettenhemdes dringen konnte. Aber das hätte nur einen Kratzer hinterlassen.

Die Spatha [ein zweischneidiges Schwert, Anm. d. Red.] aus dem 4. Jahrhundert brachte eine außerordentliche Leistung, sobald die Rüstung ausgeschaltet war. Sie stach und schnitt durch das Fleisch, ohne Probleme.

Die Latène-Waffen taten sich viel schwerer, obwohl sie fachmännisch hergestellt wurden. Trotz extremer Schärfe erschwerten ihre Formen und Kantenwinkel das Eindringen. Es lag aber vielleicht auch an dem kleineren Stück Fleisch, das ich noch übrig hatte. Ich werde bestimmt ein weiteres Experiment durchführen, um dem auf den Grund zu gehen und ihnen nicht unrecht zu tun.

Zahlen von heute

Gesamttragezeit der Rüstung: ca. 10 Stunden

Ernährung:
Frühstück: 589 kcal
Kohlenhydrate: 88 g
Fett: 10 g
Protein: 19 g

Abendessen: 2.217 kcal
Kohlenhydrate: 179,5 g
Fett: 86 g
Protein: 124,8 g

Gewicht am Morgen: 83,6 kg
Körperfett: 18,3 %, BMI: 23,9
Gewicht am Abend: 83,8 kg
Körperfett: 18,5 %, BMI: 24

Heute gibt es wieder eine audiovisuelle Zusammenfassung meines Experiments mit vielen Zusatzinfos in englischer Sprache auf meinem YouTube-Kanal:

Wenn Sie mehr über Géza Franks Challenge erfahren wollen, können Sie ihm auch auf Instagram unter theageofarthur folgen.
Und wenn Sie glauben, dass seine Aktivitäten zur Förderung des römischen Erbes wie des Donau-Limes unterstützenswert sind, dann können Sie das für nur 1 $ über Patreon tun. (kat)


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s