Tag 1: Plumentum, Posca und ein Blick Richtung Tullnerfeld

Die Challenge

Géza Frank – Musiker und Reenactor – stellt sich derzeit einer ungewöhnlichen Herausforderung: Er möchte zwei Wochen lang versuchen, wie ein römischer Soldat in der Antike zu leben. Gewandet in einer authentischen Replik der Ausrüstung eines römischen Grenz- und Flussmarinesoldaten des 4. Jh.s, begibt er sich auf Patrouillen durch den Wienerwald, absolviert täglich Trainingseinheiten in seiner Rüstung und ernährt sich ausschließlich von Essensrationen der römischen Armee, zubereitet nach antiken Kochbüchern. Am Ende des Projektes möchte er dann mit voller Ausrüstung einen 2.300 m hohen Berg in den Südalpen besteigen.

Warum er das macht? „Mein Ziel ist es, Aufmerksamkeit für das reiche, jedoch oft versteckte und kulturell nicht genügend inszenierte römische Erbe entlang der Donau zu generieren. Österreich beherbergt sehr viel ungenutztes kulturelles und touristisches Potential in Form seiner römischen Erbschaft. Mit dem erfolgreichen Römermuseum Carnuntum gibt es zwar ein beliebtes Highlight, doch der große Rest der durchaus spektakulären römischen Hinterlassenschaften ist auf Grund veralteter Museums- und Vermittlungsvorstellungen meist nur Kennern, Liebhabern und gezwungenen Volksschülern zugänglich. Um diesen Umstand zu verbessern und die reichen römischen Schätze entlang der Donau einem breiteren Publikum näherzubringen, bediene ich mich seit Jahren lebendiger Geschichtsdarstellung, bei der mittels qualitativ hochwertiger Replikate von Originalfundstücken der neueste wissenschaftliche Stand bildlich und lebendig vor Augen geführt wird. Bei diversen Museumsveranstaltungen zeigt sich immer wieder, dass gelebte Geschichte mittels engagierter Geschichtsdarsteller ein sehr breites Publikum aus allen Gesellschaftsschichten erreichen und für die Auseinandersetzung mit Geschichte begeistern kann.“

Wir wollen Géza Frank bei diesem Vorhaben unterstützen und werden ihn hier im Blog die nächsten 14 Tage begleiten, indem wir seine täglichen Erfahrungsberichte veröffentlichen:

Tag 1

Heute bin ich ziemlich müde aufgewacht, da ich erst sehr spät (4.30 Uhr) ins Bett gekommen bin. Ich habe in der Nacht Krafttraining gemacht und spüre meine Beine ziemlich stark. Daher war die Aussicht, den ganzen Tag in Rüstung herumzulaufen, nicht sonderlich motivierend.

Frühstück

Nachdem ich mir zum Frühstück Plumentum und Posca (Essigwasser) gemacht hatte, begab ich mich auf eine zwei Kilometer lange Patrouille zum Standort des ehemaligen römischen Wachturms in der Nähe meines Hauses in Hadersfeld. (Diese schöne Ortschaft kommt übrigens auch bei der legendären Greifenstein-Tour in unserem Buch „Wandern im Wienerwald“ vor.) Von dort aus hat man einen guten Blick aus etwa 300 m Höhe auf die Donau. Nach ungefähr einem Kilometer spürte ich, wie mein Schildarm Probleme mit der Durchblutung bekam. Das lag vermutlich daran, dass ich den Schild beim Gehen unbewusst von meinem Körper weghalte. Das führt zu Krämpfen im Arm, die ich ignoriert habe, bis mir der Blutkreislauf ein Warnzeichen gab. Eine bessere Tragekonstruktion wird Abhilfe schaffen.

Tag 1

Nach meiner Rückkehr nach Hause erledigte ich einige administrative Arbeiten und machte Buccellatum (eine Art Zwieback; Anm. d. Red.), wobei ich durchgehend die Rüstung anbehalten habe.

zwieback

Zum Abendessen gab es zerdrückten, gebratenen Buccellatum mit einem Löffel Honig, 180 g Lardo (Speck) mit Dill und Salz und etwas geräucherten Käse.

Über den Tag verteilt habe ich zwei Liter Posca getrunken.

Das Frühstück mit Plumentum und Posca war eigentlich weniger unangenehm, als mir gesagt wurde. Es war eine angenehme Portion, und ich fühlte mich satt, energiegeladen und bereit für den Tag.
Kein Mittagessen zu haben war keine große Sache, aber ich hatte das Gefühl, ich würde gerne etwas dazwischen essen.
Zum Abendessen war der Hunger dann schon groß, aber ich muss zugeben, dass der Lardo ein bisschen viel war und vor allem, wenn er abgekühlt ist, nicht mehr besonders gut schmeckt. Das gebratene Buccellatum mit etwas Honig hingegen war schmackhaft und machte den Lardo erträglich. Ich fühlte mich ziemlich schnell satt, aber mein Körper sagte mir: zuviel Fett! Viel zuviel Fett. Die frische Posca half ein wenig dagegen, aber da ich mit dem Honig sehr sparsam umgegangen bin, war auch die Posca heute kein Geschmacks-Highlight. Ich werde in den nächsten Tagen vermutlich etwas großzügiger mit dem Honig sein.

Ich trug meine Rüstung heute sieben Stunden lang, trainierte damit, ging häufig die drei Stockwerke in meinem Haus auf und ab, patrouillierte zwei Kilometer und aß nur römische Kampfrationen nach Codex Theodosianus (7.4.11).


Fazit

Am Ende des Tages spüre ich besonders meine Beine, aber auch mein Nacken zeigt Anzeichen von Müdigkeit durch das Kettenhemd.

Zahlen von heute

Rüstungs- und Ausrüstungsgewicht:
Kettenhemd: 11 kg
Weiche Rüstung und Kleidung: 3,3 kg
Schwert und Gürtel: 1,4 kg
Helm: 3 kg (kampfbereit)
Gesamt: 18,7 kg

Gesamttragezeit der Rüstung: 7 Stunden

Ernährung:

Frühstück:
– Plumentum
– 100 g Vollkornweizenmehl
– 240 ml Wasser
– 21 g Honig
– 1 g Salz
– 2 trockene Apfelringe

Gesamtkcal: 380 kcal

Abendessen:

– 180 g Schweinefett (Lardo)
– 170 g gebratenes Buccellatum
– 50 g geräucherter Käse

Gesamtkcal: 1173 kcal

Übungen:

2 km Patrouille in voller Ausrüstung, Schultern, oberer Rücken, Bizeps

Mehr Informationen zur Challenge und eine Zusammenfassung des heutigen Tages finden Sie hier (Video in englischer Sprache, Untertitel auf Wunsch zuschaltbar):

Wenn Sie mehr über Géza Franks Challenge erfahren wollen, können Sie ihm auch auf Instagram unter theageofarthur folgen.
Und wenn Sie glauben, dass seine Aktivitäten zur Förderung des römischen Erbes wie des Donau-Limes unterstützenswert sind, dann können Sie das für nur 1 $ über Patreon tun. (kat)


13 Gedanken zu “Tag 1: Plumentum, Posca und ein Blick Richtung Tullnerfeld

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