Wienerwald-Gedächtnislauf

Der Wienerwald-Weitwanderweg 404 ist noch gar nicht so alt, wird aber leider nicht mehr gepflegt. Das merkt man daran, daß die Markierungen selten und oft verblasst sind – aber mit ein bisschen gutem Willen kann man den richtigen Weg noch finden.

Peter Hiess und Helmuth A. W. Singer – die Autoren der unverzichtbaren Werke Wandern im Wienerwald und Wandern im Waldviertel – sind gar nicht mehr so jung, wie sie zu Beginn ihrer Wanderbuchkarriere waren, aber dafür sehr gepflegt. Bei ihren Recherchen zum Wienerwaldbuch sind sie immer wieder auf den WWW 404 gestoßen oder haben ihn gekreuzt. Und sie haben beschlossen, diesen Weitwanderweg (und anschließend den WWW 444, der von Mödling nach Wien zurückführt) irgendwann zu gehen.

Irgendwann ist jetzt. Also in diesem Fall der 17. März 2026, an dem sich das Wetter nicht entscheiden kann, ob es noch winterlich oder schon Aprilwetter sein will. Egal – wir sind für alles gerüstet und gehen munter drauflos. Im folgenden Beitrag stammt die Wegbeschreibung vom Kollegen Singer, während die farbig unterlegten Absätze vom Wanderfreund Hiess beigesteuert wurden.

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Als Startpunkt des WWW 404 gilt die Hofdurchfahrt der Endstelle der Linie 38 in Grinzing.

Und dort treffen wir einander auch, pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt. Ich reise mit dem Bus aus Heiligenstadt an, Helmuth kommt mit der Straßenbahn von der Vorortelinie – und das praktisch gleichzeitig. Da sieht man wieder, daß nichts über gute Planung geht. Nach einer herzlichen Begrüßung („Heute schon ,auweh‘ gesagt?“ „Gleich nach dem Aufwachen“) ordnen wir unsere Sachen, schnallen die Rucksäcke um und machen uns auf den Weg durch den um diese Zeit gottlob touristenfreien Heurigenbezirk.

Wir wenden uns nach hinten hinaus bergwärts in die Himmelstraße und parallel dazu in die Cobenzlgasse. An der katholischen Kirche und am Trummelhof vorbei erreichen wir den Peter-Alexander-Platz und zweigen rechts in die Krapfenwaldgasse ab, wo wir rasch an Höhe gewinnen.

Hier sehen wir auch (ganz links an der Mauer, unter dem „Einfahrt verboten“-Schild, die erste, schon recht blasse „404“-Markierung. Übrigens: Es ist keine gute Idee, beim ersten Anstieg (der in der Krapfenwaldgasse schon recht markant ist) die erste Zigarette des Tages zu rauchen. Hätte ich auch lassen können, dann wäre mir und den Grinzingern die Husterei erspart geblieben. Oben angekommen, lasse ich mir ein bissl Zeit zum Durchatmen und betrachte angelegentlich ein Marterl, in dem der heilige Charbel geehrt wird. Nein, ich kannte ihn bisher auch nicht … und wenn es Sie interessiert, können Sie so wie ich in der allwissenden Müllhalde Wikipedia nachschauen.

Nach dem Schreiberweg biegen wir in den Mukenthalerweg ein, auf dem wir nach dem Unteren Schreiberweg über unbefestigtes Terrain in den Weinrieden des Muckentals fortsetzen. Vor uns ragen Kahlenberg und Leopoldsberg auf, im Zurückschauen öffnet sich der Blick auf die Wienerstadt.

Wir überbrücken den Schreiberbach, wenden uns links und verlassen den tiefsten Punkt in der Wildgrube gleich über einen mit Stufen ausgeführten Aufstieg durch den Weinberg. Nach einer Querstraße setzt sich der Weg auf Asphalt fort. Danach folgt die Einbiegung in die Kahlenbergerstraße, die wir weiter bergwärts wandern. Eine gelbe Tafel mit blauem Pfeil gibt uns hier „Kahlenberg 25 min.“ an.

Kurz vor einer markanten Kehre der Straße besuchen wir den Kahlenberger Friedhof und können das Grabmal der Karoline Traunwieser besuchen, die man als schönste Frau zur Zeit des Wiener Kongresses bezeichnete.

Diese auch als Josefsdorfer Friedhof bezeichnete Begräbnisstätte aus dem Biedermeier war immer schon einer meiner Lieblingsorte im Wienerwald. Die Mönche des Resurrektionistenordens, die die Kirche auf dem Kahlenberg betreuen, werden bis heute hier bestattet; ansonsten ist der prominenteste „Insasse“ der letzten Zeit wohl Prälat Unger von der Caritas. Die meisten Leute zieht es aber zum Grab des jung verstorbenen Fräuleins Traunwieser, über die Sie sicher auch im Internet was finden werden. Wir empfehlen jedoch einen Spaziergang auf den Kahlenberg, um die unvergessene Schönheit persönlich besuchen zu können.

Direkt am Eingang des Gottesackers halten wir uns rechts und kürzen über einen schmalen, bergan führenden Pfad die Straßenkehre ab. Nach zwei weiteren Kurven gelangen wir ins Josefsdorf am Kahlenberg, wo wir gleich vor dem Gebäude der Modul University Vienna und der Kahlenbergkirche (St. Josef) stehen. Rechts entlang können wir zum Ausflugslokal und zum Aussichtspunkt gehen, danach hinter der Kirche beim Imbiss-Standl Sobieski Halt machen (1 Std.).

Der Blick auf Wien ist leider getrübt – andererseits ist dafür auf der Aussichtsplattform nicht viel los und wir haben unsere Ruhe. Des unentschiedenen Wetters und der Jahreszeit wegen hat auch das Imbiss-Standl Sobieski, in dem wir sonst für unser Leben gern einkehren, leider geschlossen. Wir setzen also unseren Weg fort, an der gottlob nie realisierten abstrakten Scheußlichkeit des vor Jahren geplanten Sobieski-Denkmals (jetzt ist dort nicht viel mehr als eine Inschrift und ein Gedenkstein zu sehen) vorbei und stoßen vor unserer Abzweigung auf eine erstaunliche Attraktion: „knusprige Bratkartoffeln mit Ausblick über ganz Wien“. Na bravo … Hauptsache „Genussstand“.

Am Sobieski-Denkmal und rechts neben der Endstation der Buslinie 38A setzt sich der Stadtwanderweg 1 auf Asphalt leicht bergab fort. Nach ca. 10 Min. passieren wir die Josefinenhütte/Hütte am Weg und den Einstieg zum Waldseilpark. Parallel zur Straße und unter den Kletterstationen marschieren wir zum östlichsten Punkt der Höhenstraße. Am Kosakendenkmal vorbei können wir auch noch zum Leopoldsberg hinaufgehen und das ummauerte und geschlossene Areal umrunden, wo beeindruckende Rundblicke möglich sind.

Eine gelbe Pfeiltafel weist vom Parkplatz beim Kosakendenkmal mit gelbem Pfeil auf „Klosterneuburg über Kollersteig 50 min.“ Beim WC-Kiosk und hinter der Leitplanke beginnt unser Abstieg schmalpfadig zwischen mittelhohen Bäumen – Klosterneuburg und die Donau sind dabei immer gut im Blick.

Nach einem beträchtlichen Gefälle treten wir an der Adresse Kammerjoch 53 aus dem Wald, setzen auf Asphalt fort und biegen gleich in den Kollersteig ein, dem wir zunächst niveaugleich, dann abfallend bis zum Anfang folgen. Nach der Kreuzung mit der Weidlinger Straße wandern wir geradeaus in der Agnesstraße weiter. Am Anfang derselben wenden wir uns kurz rechts und gleich wieder links in die Leopoldstraße, die wir zum Rathausplatz vorgehen (2 Std.).

Der Waldweg, der vom Leopoldsberg nach Klosterneuburg (das sogar viele Einheimische „Kloburg“ nennen, als wäre das eine Ehre …) hinunterführt, ist ein charmanter und nicht viel begangener Wanderpfad. Ist man dann aber erst einmal in bewohntem, asphaltiertem Gelände, geht es schier endlos durch Klosterneuburg. Das muss man aushalten – und die Damen und Herren, die diesen Weg einst anlegten, werden sich schon was dabei gedacht haben. Ob der Weg durch die Stadt wirklich den Rand des Wienerwalds markiert, wage ich zwar zu bezweifeln, aber ich zweifle erstens sowieso dauernd und zweitens ist es wurscht. Weil Klosterneuburg ja auch seine sehr schönen Seiten hat.
Aber: Als wir (siehe ein paar Zeilen weiter unten) in den Stadtplatz einbiegen und in einer kleinen Bäckerei/Konditorei einen Imbiss zu uns nehmen wollen, weil sonst bis zum Ende der heutigen Etappe keine Lokalität mehr kommt, sitzen wir an den winzigsten Tischen, die je für Gäste wohin gestellt wurden, wie in einer Puppenstube, und jausnen daher in höchst beengten Verhältnissen. Ich will dann noch schnell auf die Toilette gehen – aber es gibt keine. Die freundliche Verkäuferin/Kellnerin gibt mir den Tip, ein paar Häuser weiter den Drogeriemarkt aufzusuchen, in dem ganz nach hinten und die Stiege hinunter zu hatschen und im angeschlossenen Friseursalon zu fragen, ob ich dort das Kunden-WC benutzen dürfe. Es gelingt. Gott sei Dank. Eine unnötige Erschwernis ist es trotzdem.

Rechts über den Platz können von wir hier aus noch das Stiftsgelände mit Stiftskirche und Museum aufsuchen; eine Besichtigung würde die Wanderung aber erheblich verlängern.

Wir nehmen die folgende Unterführung bei der Hundskehle und marschieren bergab, halten uns links und kommen über eine Stiege in die Hofkirchnergasse hinunter, die wir zur Kierlinger Straße hinaufgehen. Rechts befindet sich der Stadtplatz mit zahlreichen Geschäften, wo man Proviant einkaufen oder in einem Lokal eine Pause einlegen kann.

Wir wechseln die Straßenseite nach links und biegen in die Hölzlgasse ein, an deren Ende wir in Gehrichtung einen Fußweg beschreiten. In der folgenden Ziegelofengasse gehen wir nach links weiter. Beim Bildstock Eiserne Hand zweigt die Käferkreuzgasse rechts ab, in der wir auf Blau und Rot konsequent bergauf schreiten.

Habe ich schon erwähnt, dass wir schier endlos durch Klosterneuburg und dessen Ausläufer marschieren? Und nach unserem Jausenaufenthalt noch endloser und vor allem steil bergauf, immer auf Straßen (auf dem Bild unten sehen Sie den Wanderkameraden Singer, der sich die nicht endenwollende Käuferkreuzgasse hinaufquält)? Und dass wir nach Ende der bewohnten Zone noch eine Zeitlang am Straßenrand weitergehen müssen? Da sind wir froh, im Rahmen dieses Gedächtnislaufs gelegentlich eine alte „404“-Markierung zu erblicken, die uns versichert, dass wir nicht versehentlich ganz woanders gelandet sind.
Apropos Gedächtnis: Ich bin diese Etappe bereits einmal gegangen, in glücklicheren Zeiten, und muss heute den ganzen Tag daran denken, wie und mit wem ich damals unterwegs war. Dementsprechend ist meine Stimmung so durcheinander wie das Wetter, das zwischen sonnig und warm, windig und nieselig wechselt. So schaut’s in mir auch aus. Aber vergessen kann man nur, indem man eine neue Erinnerung drüberlegt. Glaub’ ich halt.

Wir passieren auch die Kreuzkapelle am Ölberg aus dem 18. Jh. und die Mariensäule aus dem Jahr 1675.

Am Zusammenlauf mit der Holzgasse weist eine gelbe Pfeiltafel mit blauer Markierung nach „Hadersfeld 1 h 10 min.“. Die Privathäuser enden bald, wir streben rechts über eine alte Zufahrt auf den Weißen Hof zu. Über die neue Zufahrt, einen Steg in ein Waldstück und schließlich einen riesigen Parkplatz entlang gehen wir an diesem Reha-Zentrum vorbei. Der Asphalt setzt sich noch fort, dann folgt ein Waldpfad, der nach ca. 200 m die Straßenseite wechselt und blau markiert parallel zur Straße Richtung Hadersfeld verläuft. Bei einem weißen Kreuz kommen wir nochmals ganz zur Straße, bevor wir diese verlassen und über einen Holzlagerplatz in den nächsten Wald streben („Hadersfeld 30 min.“). An der folgenden Wegteilung halten wir uns rechts („Rundwanderweg“).

Hier wird der Kollege Singer, der – wie Sie gleich bewundern können – Begriffe wie „Spitzkehre“ draufhat wie nix, stutzig. Weil der Weg nicht dort entlangführt, wo er sollte, nämlich direkt aufwärts nach Hadersfeld, sondern lang geradeaus weiter, auf eine weitläufige Kurve zu. Und Markierung ist natürlich auch keine zu sehen. Da Helmuth aber den alten Weg auf einer digitalen Landkarte in seinem smarten Telefon mithat (fragen Sie mich nicht, wie das geht, ich habe erst seit kurzem zwangsweise so ein Terrorphone und verweigere praktisch alle Apps), vermutet er, dass wir von der breiten Forststraße rechts abzweigen und uns durch markierungsloses Gelände schlagen müssen. Ob das aber wirklich der alte 404er war? Wir wissen es nicht. Ab jetzt ist es jedenfalls der neue 404er. Irgendwann muss man Taten setzen.

Unmittelbar nach der Spitzkehre im Talschluß führt ein unscheinbarer und unmarkierter Weg schräg rechts in den Wald hinauf. Links vom Einschnitt gehen wir den Hang entlang bergwärts und erreichen bei der Hauptstraße 57 bzw. bei der Busstation Moserbergl Hadersfeld, biegen links ein und gehen niveaugleich durch den Ort. Am Zusammenlauf mit der Feldgasse befindet sich der frei stehende Glockenturm. Hier können wir die Tour auch abbrechen und einen Bus nach Klosterneuburg-Kierling Bhf. nehmen (3 ¾ Std.).

Wir brechen natürlich nicht ab, sondern gehen bis zum bitteren Ende (und einer praktischeren Busverbindung) weiter, obwohl es schon wieder gelegentlich regnet – und uns einmal auf dem letzten Abschnitt sogar ein paar Minuten lang Schneeregen ereilt.

Im bald folgenden Rechtsknick der Hauptstraße setzt geradeaus die Schloßgasse fort, die uns am Schloss Hadersfeld aus dem 17. Jh., das 1805 zu einem Jagdschloss umgebaut wurde, vorbeiführt. Auf einer breiten Forststraße verlassen wir Hadersfeld, wobei wir an einer Abzweigung in freiem Gelände links weitergehen. Unser Weg wandelt sich in einen blau markierten Traktorweg. Auch wenn die Strecke zwischen hohen Bäumen schmäler wird, ist die Markierung eindeutig. Später gesellen sich rote Marken dazu. Wir biegen schließlich in eine Forststraße ein und gehen auf dieser geradewegs zur B14 hinunter, die Klosterneuburg mit St. Andrä-Wördern verbindet. Am Bankett der stark befahrenen Straße halten wir links auf Maria Gugging zu, entweder um noch im Gasthof Waldhof einzukehren oder um die Busstation bei der Loudesgrotte zu erreichen (4 ¾ Std.).

PS: Wenn Sie diese Etappe auch auf dem Handy haben wollen, so wie der gute A. W. Singer, dann schicken Sie uns doch ein E-Mail – und Sie erhalten postwendend eine GPX-Datei mit den Routendaten.

WWW 404 & 444
Etappe 1
Grinzing – Maria Gugging
20,4 km

(shaw & ph)


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