Die Rückkehr des Finken?

Ostersonntag. Strahlendes Frühlingswetter. Wir überlegen uns, für unseren Ausflug eine Route zu wählen, die auch an (Feiertags-)Wochenenden nicht zu stark begangen ist – und entscheiden uns für die Tour Nr. 10 aus unserem Buch Wandern im Wienerwald, die den Titel In die Au am Kracking trägt. Früher hieß sie „Beim Fink in der Au“, aber darauf kommen wir noch zu sprechen …

Die ÖBB bringt uns bis Tullnerbach-Pressbaum, dort müssen wir in einen Schienenersatzverkehrs-Bus umsteigen (auf den uns eine freundliche Angestellte der Bundesbahnen, die extra dafür Ostersonntagsdienst hat, hinweist). Leider nimmt besagter Bus eine extrem lange und mühsame Strecke über Hügel und verlassene Waldstraßen, sodaß wir von Hütteldorf bis Rekawinkel mehr als eine Stunde brauchen. Aber egal – wir gehen kurz nach neun vor dem Bahnhof Rekawinkel weg und sind bald im Wald, wo sich auch schon erstes Grün zeigt.

Nach einem gemütlichen Anstieg zwischen Waldrand und einer Hecke finden wir im nächsten Waldstück gleich das Wanderschild mit der roten Markierung, das uns nach links, Richtung „In der Au, Gasthof Fink“ weist.

Wie man auf untenstehendem Bild sieht, sind es nicht nur Waldarbeiter, die brutal gegen Markierungen vorgehen, sondern auch die Natur selbst – das Wetter oder ein schlecht gelaunter Specht, wer weiß? Wanderkamerad Andreas jedenfalls hat ein Stück Wegmarkierung am Boden liegend gefunden (Wir waren’s nicht … ich schwöre!), weigert sich aber, es als Souvenir mit nach Hause zu nehmen, weil eh jeder so viel Klumpert herumliegen hat. Also zurück damit auf den Waldboden.

Von dort kommen wir zu einer Forststraße, der Schmölzgrabenstraße, der wir nach rechts folgen. Den Abstecher zum Römergrab, auf den uns eine Wandertafel hinweist, lassen wir schon wieder aus – aber nächstes Mal wird’s sicher was. Auf weiteren Forststraßen und das letzte Stück auf Asphalt kommen wir zum ehemaligen Gasthof Fink in der Au, der leider schon vor Jahren zugesperrt hat. Als wir auf der Bank bei der Busstation sitzen und ein kleines Gabelfrühstück einnehmen, sehe ich den ehemaligen Wirten im Garten stehen, schlendere auffällig unauffällig zu ihm hinüber und frage ihn, wann sie wieder aufsperren wollen. „In absehbarer Zeit nicht“, sagt er. Aber er überlegt immer wieder, ob er’s nicht doch versuchen soll, eventuell nur am Wochenende und mit einer anderen Speisekarte …

Ich versuche ihn zu überzeugen, dass es sich schon wegen uns auszahlen würde – weil wir 1. begeisterte Gäste waren und wieder sein werden und 2. dann unsere Wanderbeschreibung wieder mit dem ursprünglichen Titel versehen könnten. Wenn ihn das nicht überzeugt, weiß ich auch nicht.

Die zwei untenstehenden Bilder sind Impressionen aus der frühlingshaften Natur – damit Sie sehen, daß es uns nicht nur um Wirtshäuser geht. Aber von denen wird gleich wieder die Rede sein.

Nach dem Besuch beim Ex-Fink machen wir uns an den gut markierten Aufstieg, der uns nach dem folgenden Abstieg (es ist immer dasselbe – what goes up must come down) nach Kracking bringt. Von dort führt uns der Weg – mittlerweile, das war letztes Mal noch anders – durch einen schönen Wald nach Rappoltenkirchen, wo wir auf der Hauptstraße ins Zentrum marschieren.

Rappoltenkirchen ist und war so ein spezieller Fall: Immer, wenn wir dort waren, hat das Lokal im Dorf anders geheißen, andere Pächter, Speisekarten und Ruhetage gehabt. Letztes Mal nannte es sich DeDaniels – und wir freuten uns, diesen Namen immer noch auf der Fassade zu sehen. Aber dann … ein handgeschriebenes Schild mit „Vorübergehend geschlossen“ an der Gasthaustür, obwohl alles so aussieht, als hätte heute (immerhin: Ostersonntag) aufgesperrt werden sollen. Eine Recherche am Abend ergibt, dass die Betreiber offenbar an genau diesem Tag beschlossen haben, dauerhaft zu schließen.

Wir sind gespannt, was uns beim nächsten Besuch erwartet, und werfen statt in die Karte einen Blick in die schöne Pfarrkirche zum heiligen Georg, die an diesem hohen christlichen Feiertag auch ziemlich (also völlig) leer ist.

Dann setzen wir unsere Wanderung fort, verlassen Rappoltenkirchen, halten im nächsten Waldstück eine kurze Andacht bei den „14 Nothelfern“ …

… und beschreiten den Rest des Wegs, der in unserem bereits erwähnten Wanderbuch naturgemäß genau beschrieben ist. Als wir im Zielort Elsbach einlangen, kreuzt die Route übrigens den österreichischen Jakobsweg. Genau an dieser Stelle war ich – auf besagtem Jakobsweg – im vergangenen Jahr unterwegs, aber diese Geschichte ist alles in allem nicht gut ausgegangen und muß daher nicht mit allzu großer Nostalgie betrachtet werden.

Da uns der Bus gerade davongefahren ist und der nächste fast zwei Stunden auf sich warten lässt, gehen wir vom Endpunkt dieser Tour noch die paar Meter zum Gasthaus Klaghofer weiter, wo wir hervorragend zu Mittag essen und das freundliche Personal auf Wunsch sogar den Schattenbedarf des Gastes reguliert. (Er red’t scho wieder so g’schwoll’n: Die Kellnerin läßt die Markise ausfahren, so war’s) (ph)

Photos: Wanderbuch-Team & Andreas Winterer


Kommentar verfassen