
Entstanden sind die meisten der Moorlandschaften im Waldviertel nach der letzten Eiszeit. Die geologischen und klimatischen Voraussetzungen der Region – wie ein undurchlässiger Boden bzw. eine besondere Geländeform, die das Abfließen des Wassers verhindert, oder die Tatsache, dass die Niederschlagsmenge höher war als die Verdunstung – führten dazu, dass sich vor allem von Litschau bis Karlstift und im Freiwald durch den unvollständigen Abbau der Pflanzenreste Moore bilden konnten.

Obwohl Moore seit jeher als unheimlich und mysteriös gelten, erkannten die Bewohner der Umgebung schon bald, dass man auch diesen Lebensraum nutzen kann, etwa zur Torfgewinnung. Torf wurde in erster Linie als günstiges Brennmaterial verwendet, sowohl für den Privatgebrauch als auch für die Öfen der Glashütten in Eugenia oder Aalfang. Man setzte ihn aber auch als Torfmull oder Einstreu großzügig ein. Um 1930 wurde der Torfabbau im Waldviertel aufgrund zu geringer Wirtschaftlichkeit größtenteils eingestellt. Mancherorts – etwa in Schrems – nutzte man Teile des Moors aber noch bis in die 1980er Jahre zur Torfgewinnung. Heute wird Torf nur mehr zu therapeutischen Zwecken gestochen, z. B. für Kuranwendungen in Bad Großpertholz oder in Moorbad Harbach.

Durch die Trockenlegung der Hochmoore, die man mittels künstlich angelegter Kanäle entwässerte, entstanden zudem äußerst fruchtbare Forst- und Anbauflächen. Zusammen mit dem Torfabbau führte diese landwirtschaftliche Nutzung über einen Zeitraum von 300 Jahren dazu, dass vom einst sehr moorreichen Waldviertel kaum etwas übrig blieb.
In den vergangenen Jahrzehnten wuchs glücklicherweise das Bewusstsein für die ökologische Bedeutung der Waldviertler Moore. Man erkannte, welch wichtige Funktion dieser Lebensraum für die Menschen und die Umwelt übernimmt. So wirken Moore beispielsweise regulierend auf den Wasserhaushalt: Bei starken Niederschlägen nehmen sie Wasser auf und reduzieren so die Gefahr von Überschwemmungen, während sie in Trockenperioden das angesammelte Wasser durch Verdunstung wieder abgeben. Weiters sorgen sie für sauberes Trinkwasser, da sie dem im Boden gespeicherten Wasser Nähr- und Giftstoffe entziehen. Der wachsende Torf ist zudem ein CO2-Bindemittel und wirkt sich günstig auf Klima und Pflanzenwelt der jeweiligen Region aus.

In Zeiten zunehmenden Umweltbewusstseins erkannte man auch, dass Moore mit ihrer außergewöhnlichen Fauna und Flora einen schützenswerten Lebensraum darstellen. Es gibt nämlich nur wenige Pflanzen, die mit dem geringen Nährstoffgehalt, den sauren Verhältnissen, der Staunässe und den großen Temperaturschwankungen in diesen Gebieten zurechtkommen. Eine Besonderheit sind etwa die sogenannten fleischfressenden Pflanzen wie der Rundblättrige Sonnentau, der den Nähstoffmangel im Boden dadurch ausgleicht, dass er mit klebrigen Drüsenhaaren an seinen Blättern Insekten fängt. Auch viele Torfmoosarten, denen wir den Lebensraum Hochmoor überhaupt erst zu verdanken haben, gedeihen hier prächtig. Ihre abgestorbenen Pflanzenteile können sich bei Nässe und Sauerstoffabschluss nicht zersetzen und wachsen als Torf aus dem Bereich des Grundwassers heraus.


Zahlreiche Tierarten wurden ebenfalls zu Meistern der Anpassung an die speziellen ökologischen Bedingungen, etwa der Hochmoorlaufkäfer oder der Hochmoorgelbling. Die hohe Spezialisierung von Pflanzen und Tieren bringt jedoch auch eine Gefahr mit sich: Wenn ihr Lebensraum verschwindet, sind diese Arten ebenfalls vom Aussterben bedroht.


2017 schlossen sich tschechische und österreichische Naturschutzorganisationen, Behörden und wissenschaftliche Einrichtungen zusammen und riefen gemeinsam das INTERREG-Projekt „Connecting Nature AT-CZ“ ins Leben. Gemeinsam wollen sie die 64 Hoch- und Übergangsmoore im Waldviertel untersuchen, naturkundlich kartieren und prüfen, ob man sie regenerieren kann. Auch etliche andere Projekte bemühen sich um eine Bewahrung und Wiederherstellung dieser außergewöhnlichen Biotope.
Natürlich haben die verbliebenen Waldviertler Moore mit ihrem einzigartigen biologischen Ambiente auch einen hohen Erholungswert – nicht nur für Einheimische, sondern auch für Touristen, die Hochmoorlandschaften und Naturschutzgebiete besuchen, sich auf Themenwanderwegen über die landschaftlichen Eigenheiten informieren und in Infozentren ihr Wissen vertiefen können.

Im Folgenden seien einige Moore vorgestellt, denen wir zum Teil auch auf unseren Wanderungen – die Sie in unserem praktischen Handbuch Wandern im Waldviertel finden können – begegnen:
Der Naturpark Heidenreichsteiner Moor ist der drittkleinste aller streng geschützten Naturparks in Niederösterreich und umfasst eine Fläche von 30 Hektar. Ein Drittel davon ist offenes Hochmoor, an das ein Kiefern-Moorwald angrenzt. Im NaturParkZentrum beim Parkplatz an der Waidhofener Straße kann man sich über den Park allgemein informieren oder spezielle Führungen buchen. Es ist von Anfang März bis Anfang November täglich (außer Montag) von 11 bis 19 Uhr geöffnet (an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 19 Uhr).

Auf Erkundungstour geht man am besten über den 2,7 km langen Moorlehrpfad (Wanderung 2-1 – „Moor and more“). Der als „Waldweg“ bezeichnete Rundweg ist noch 1 km länger und ebenfalls gut geeignet, das Gebiet kennenzulernen. Auf dem etwa 30 m langen Prügelsteg entlang des Pfads kann man sicher auf das Moor hinausgehen und es genauer betrachten. Südlich dieser Stelle befindet sich der Winkelauer Teich, den man von einem Hochstand aus überblicken kann.
Erheblich größer ist der Naturpark Hochmoor Schrems, in dem die eigentliche Torfmoorfläche ca. 300 Hektar umfasst; es ist damit das größte Moor in Niederösterreich. 107 Hektar davon wurden 2000 zum Naturschutzgebiet erklärt. Dank der Einstellung des Torfabbaus erholt sich das empfindliche Ökosystem immer mehr; die Naturparkverwalter schlossen Entwässerungsgräben und legten Moortümpel an.

Torfmoos, Sumpfporst und Moorkiefer sind hier neben Sonnentau, Wasserschlauch, Sumpfschwertlilie und Gelber Teichrose die Besonderheiten, denen man auf einem Spaziergang über drei unterschiedlich lange Moorwanderwege begegnen kann. Als Ausgangspunkt für diese lehrreichen Routen dient das Naturparkzentrum UnterWasserReich. Repräsentatives Element des Naturparks, der im Zuge der Wanderung 1-1 – „Stiege zum Himmel“ – aus unserem Buch Wandern im Waldviertel durchquert wird, ist die 18,5 m hohe Himmelsleiter, von der aus man eine schöne Aussicht auf das Hochmoor und die waldreiche Umgebung hat.

Ein weiteres Moor, das wir im Zuge unserer Wanderrouten besuchen, ist Teil des Naturparks Nordwald: die Große Heide südlich von Karlstift (Wanderung 1-7 – „Gipfelstürmer“). Sie ist mit 16 Hektar der größte von fünf Moor-Teilbereichen im Naturpark. Latschen-Moorwald dominiert das Gebiet, wobei die Moorspirke am häufigsten verbreitet ist. Daneben kann man aber auch Rotföhren und Fichten sichten. Durch Entwässerung sind diese Moore schon eher stark verheidet, offene Hochmoorflächen treten kaum mehr auf. Vom Hochmoor-Aussichtsturm aus kann man sich einen guten Eindruck von der hier typischen Vegetation verschaffen.

Zu den weiteren erwähnenswerten und in Renaturierung begriffenen Mooren im Waldviertel zählen die Meloner Au südwestlich von Altmelon, das Rottalmoos im Schönauer Forst bei Litschau und das Haslauer Moor im Süden von Amaliendorf.

Im Haus des Moores in Kleinpertholz können sich Interessierte über Details der Entstehung von Mooren in Europa, aber auch über Flora und Fauna sowie die wirtschaftliche und medizinische Nutzung von Mooren informieren. Naturschutz, Märchen und Sagen des Gebiets werden ebenfalls thematisiert; außerdem darf man hier eine Moorleiche betrachten. Ein Besuch des Museums lässt sich jederzeit über das NaturParkZentrum oder unter 0664/358 27 59 organisieren. <shaw>