Wir kommen alle in den Himmel …

Normalerweise landet man irgendwann am Nachmittag oder Abend in Grinzing, bleibt dann längere Zeit und kommt irgendwann viel später wieder von dort weg – wenn man mit seinem Dackel heimwärts wackelt, zum Beispiel.
Auch wir sind brav mit dem 38er in den berühmten Heurigenort (den jetzt trotz der Touristen-Busladungen auch wieder mehr Wiener aufsuchen) gefahren, aber schon am Vormittag. Und statt persönliche Promillegrenzen zu sprengen, wollten wir uns einem schönen Herbstspaziergang von lockeren 14,5 Kilometer Länge widmen. Der Weg, den wir dabei beschritten haben, ist die Wanderung 1 in unserem Buch „Wandern im Wienerwald“, die uns am Rand einiger Außenbezirke entlang durch Berg und Tal führt. Zuerst freuen wir uns aber bei einem Blick aus dem Hof der Grinzinger Pfarrkirche darüber, dass dieser ehemalige Wiener Vorort (bis 1892 war Grinzing eine eigenständige Gemeinde) sein beinahe dörfliches Erscheinungsbild noch erhalten hat – und nicht wie der Heurigenort Neustift am Walde von Bauspekulanten und einer … hmmm … nachlässigen Verwaltung optisch total verschandelt wurde.

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So, genug gefreut – von nun an geht’s bergauf. Wir wandern durch die Himmelstraße, an teuren Villen und Neureichenburgen vorbei, kommen bald zum beliebten Ausflugsgasthaus Häuserl am Himmel und biegen dann nach links ab, um wieder einmal einen Blick auf den ein bissl armselig wirkenden Lebensbaumkreis zu werfen, der dort oben keinerlei Tradition – weder keltisch noch sonstwie – hat, sondern einfach nur zur Disneyfizierung des Wienerwalds beiträgt. Da die Bäume in besagtem Kreis auch kaum Schatten bieten, gehen wir weiter und erreichen nach wenigen Minuten auf einem kurzen Abstecher die Sisi-Kapelle, die nach ihrer Renovierung im Jahr 2005 ein wahrer architektonischer Schandfleck ist (aber dafür in ihrem Inneren einen multimedialen „Erlebnisraum“ bietet). Auf einer Informationstafel heißt es in Dummdeutsch: „Die Sisi-Kapelle ist ein gebautes Crossover.“
Ah geh!
Bei soviel Unfug würde sich selbst der Erbauer dieser seinerzeit „Elisabethkapelle“ genannten Andachts- und Begräbnisstätte im Grabe umdrehen – und der war selber kein Guter. Johann Carl Freiherr von Sothen, den wir auf der hier abgebildeten Informationstafel im linken unteren Eck …

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… und gleich in einer zeitgenössischen „Großaufnahme“ sehen, war ein Lottobetrüger, über dessen spektakuläre Lebensgeschichte und sein noch aufregenderes Begräbnis (in der eigenen Kapelle, wie sich das gehört) Sie in einem eigenen kurzen Kapitel in unserem Buch mehr erfahren. Wir trösten uns an seinem Beispiel damit, dass alle Gauner irgendwann ihr verdientes Ende finden, und wandern munter weiter.

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Dabei entdecken wir, dass das Tageszentrum am Himmel gerade eine Großbaustelle ist, sicher wegen einer Komplettrenovierung, und dass das Geschäft, in dem die Patienten aus dem Zentrum ihre Produkte anbieten, aus demselben Grund auch geschlossen hat. Doch ein paar Meter finden wir zu unserer Überraschung ein Standl, in dem doch Himmlisches feilgeboten wird – nach dem Prinzip des Vertrauensgrundsatzes: Nehmen Sie sich, was Sie wollen, rechnen Sie den Preis zusammen und werfen Sie das Geld dann durch diesen Schlitz. Wer das nicht tut, ist ein schlechter Mensch und sollte nicht mehr weiterlesen, sondern lieber sein Gewissen prüfen. Wir haben uns drei wirklich gute Erzeugnisse ausgesucht und den (ohnehin sehr günstigen) Preis sofort beglichen. Es zahlt sich aus, auch in kulinarischer Hinsicht.

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Wie die Route genau weitergeht, erfahren Sie in unserem Wanderführer – aber soviel sei noch verraten, weil die Photos so schön sind: sie unter- und überquert ein paar Mal die Höhenstraße, wie man auf folgendem Bild sehen kann …

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… und führt unter anderem an dieser schönen Wiese entlang.

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Später haben wir dann einen steilen Anstieg auf den Heuberg zu bewältigen. Und glauben Sie uns: der ist wirklich anstrengend (und man sollte ihn nach Regenfällen meiden). Umso mehr freut man sich, wenn man dann erschöpft, aber auf verschwitzte Art glücklich das Gipfelkreuz als Stütze missbrauchen kann.

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Wohltätige Geister haben hier übrigens auch ein Gipfelbuch hinterlegt – in einem Kasterl, wegen der Witterung sicherheitshalber auch noch in einem Plastiksackerl verpackt und mit einem Kuli zum Reinschreiben. Dafür danken wir. Und wie Sie, liebe Leser, dann bis zum Endpunkt der Wanderung auf dem Wilhelminenberg gelangen … naja, Sie wissen eh.  (ph)

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