Lustwandeln auf den Spuren der Habsburger

Der Laxenburger Schlosspark zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen der Wiener – vor allem an sonnigen Wochenenden. Vermutlich ist das auch der Grund, warum wir ihn so lang gemieden haben. Vorletztes Wochenende wagten wir dann doch einen Versuch … dummerweise genau am ersten sonnigen Sonntag in diesem Jahr. Und natürlich wurden unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Selber schuld, ich weiß.

Nach langer, chaotischer Parkplatzsucherei (und das bereits um 10 Uhr vormittags) schafften wir es dann endlich zum Eingang des Parks, wo uns aus gigantischen Lautsprecherboxen ohrenbetäubende Dancefloor-Music und hysterische Moderatorenstimmen entgegenschallten. Grund: der „Schlosspark-Laufcup 2019“. Das erklärte dann auch die hohe Dichte an kurzbehosten, übermotivierten Sportfanatikern, die uns schon am Parkplatz das Vorankommen schwer gemacht haben. Warum müssen seit Jahren immer und überall Marathons, Frauen-, Kinder-, Frauen-mit-Kind-und-Hund-Läufe und was-weiß-der-Teufel noch als riesengroße Events zelebriert werden?! Nicht einmal am Berg hat man mehr seine Ruhe.

Etwas mürrisch zahlten wir dennoch den Eintritt für den Parkbesuch und folgten der buntgemischten Karawane aus hyperaktiven Pensionisten, fröhlichen Großfamilien und angespannten Läufern bis zur ersten Abzweigung. Hier ergriffen wir dann auf einem schmalen, weniger frequentierten Pfad die Flucht aus der Masse – und schon ein paar Minuten später wurde es ruhiger und eigentlich doch ganz schön.

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Am Wegesrand offenbarten sich uns die ersten Frühlingsboten – und wenn man so dahinschlendert durch die große Parklandschaft, kann man verstehen, warum sich die Habsburger von 1306 bis zum Ende der Monarchie so gern hier aufgehalten haben.

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Der Park, ältester Besitz der Habsburger, war dabei einem ständigen Wandel unterlegen. Unter Herzog Albrecht II. wurden 1338 Lustgärten und Menagerien angelegt; später fungierte Schloss Laxenburg als Jagdresidenz. Neben der beliebten Falkenjagd fanden aber auch Theatervorstellungen, Opernaufführungen und Konzerte unter freiem Himmel statt.

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Die Rittersäule: Verherrlichung ritterlicher Tugenden

Maria Theresia ergänzte in ihrer Amtszeit den Park mit Kanälen, Schleusen, Springbrunnen und Wasserfällen. Mit der Zeit wurde das Areal ständig erweitert. Zugekaufte Bauernhäuser und eine Meierei bekamen eine einheitliche Fassade und erweckten so das Bild einer Kaiserresidenz in heiterem, ländlichen Ambiente.

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Kaiser Franz II. gab dann dem Schlosspark sein heutiges Aussehen. Er ließ den Park zu einem englischen Landschaftsgarten ausbauen und gab das wohl bekannteste Bauwerk der Anlage, die Franzensburg, in Auftrag. Diese liegt malerisch auf einer Insel im 25 Hektar großen, künstlich angelegten Schlossteich. Interessierte können sie wahlweise zu Fuß, oder – viel romantischer – mit der Fähre, die bereits 1806 eingerichtet wurde, erreichen und sich die Burg auch von innen ansehen.

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Die Franzensburg: Ab April kann man die Teichlandschaft mit Elektrobooten auf eigene Faust erkunden.

Franz Josef I. verbrachte nicht nur einen Großteil seiner Kindheit zusammen mit seinen Geschwistern auf Schloss Laxenburg, sondern auch seine Flitterwochen. Seine Frau Kaiserin Elisabeth brachte ein paar Jahre später zwei ihrer vier Kinder – Kronprinz Rudolf und seine Schwester Gisela – hier zur Welt.

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Der Concordiatempel im josephinischen Teil des Schlossparks: Rundtempel, in Anlehnung an den Sibyllentempel in Tivoli bei Rom, symbolisierten im 18. Jahrhundert Harmonie und Vollkommenheit.

Auch heute noch wird man auf dem 250 Hektar großen Areal auf Schritt und Tritt Zeuge dieser architektonischen Vermächtnisse, wie etwa beim alten Turnierplatz, dem Haus der Laune, das heute leider nur noch eine Ruine ist, dem Grünen Lusthaus, dem Concordiatempel, der Felsengrotte, der Rittergruft oder dem 200 Jahre alten Taubenschlag.

Ab und zu zahlt sich so ein Abstecher nach Laxenburg also schon aus. Doch wenn man hier in Ruhe auf den Spuren der Habsburger lustwandeln will, sollte man vorher die Homepage konsultieren und nachschauen, welche Veranstaltungen auf ahnungslose Wochenendausflügler lauern – oder eben unter der Woche kommen.  (kat)


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