Grenzgänger

Dieser Herbst meint es gut mit uns Wanderern und stimmt nach dem Horrorsommer wieder versöhnlich. Wir nützen jede freie Minute dazu, die warmen Farben, die klare Luft und die angenehmen Sonnenstrahlen aufzusaugen, bevor die unwirtliche, aber nicht weniger reizvolle Jahreszeit naht. Unter der Woche gibt es dazu im Wienerwald mehr als genügend Möglichkeiten – siehe dazu das Buch Wandern im Wienerwald. Die 30 schönsten Wanderungen in und um Wien.

Wer allerdings an Wochenenden ein wenig Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, wird sich rund um Wien auch im Wald schwer tun, so entlegen kann die Route gar nicht sein. Aus diesem Grund hat es uns Ende September in den Nationalpark Thayatal verschlagen – einem Lieblingsversteck von mir.

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Der Nationalpark ist grenzüberschreitend; er befindet sich zum Teil in Österreich und zum Teil in Tschechien (siehe Karte oben). Genauso verhält es sich auch mit einigen der Wanderwege hier. Es gibt aber auch sechs Strecken, die ausschließlich in Österreich verlaufen und von drei Startpunkten aus begangen werden können:

  • Hardegg, der kleinsten Stadt Österreichs mit nur 87 Einwohnern;
  • der Burgruine Kaja, die an Wochenenden besichtigt werden kann;
  • und dem Nationalparkhaus, in dem sich das Besucherzentrum befindet und eine interessante Ausstellung über den Nationalpark zu sehen ist. Hier werden auch immer wieder geführte Wanderungen und Workshops angeboten.

Die Wanderwege sind unterschiedlich lang, sehr gut beschrieben und beschildert und bieten außerdem für jeden Geschmack etwas – auch für Familien. Genaue Wegbeschreibungen finden Sie im Nationalpark-Folder.

Unsere Strecke – der Thayatalweg (rot) – beginnt bei der Burgruine Kaja und führt dann parallel zum idyllischen Kajabach zur Thaya.

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Die 800 Jahre alte Ruine wird von einem Verein liebevoll erhalten und betreut und kann an Wochenenden besichtigt werden (siehe Öffnungszeiten). Mit etwas Glück erzählt einem die freundliche Dame am Eingang die schaurige Sage vom Schwarzen Ritter und andere Anekdoten rund um die Geschichte der Feste Kaja.

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Durch verwinkelte Gänge erreicht man die verschiedenen Innenhöfe, den Brunnen und die Kapelle.

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Die Ruine kann auch innen besichtigt werden. Wagt man sich die enge Wendeltreppe hinauf, …

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… so wird man nicht nur mit einer nostalgischen Transistor-Sammlung belohnt, …

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… sondern auch mit einem wunderschönen Ausblick.

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Und keine Angst: Sollte es hin und wieder einmal im Gebälk rascheln, dann ist das kein Burggeist, sondern vielmehr ein in seiner Ruhe gestörter Siebenschläfer, der es sich in einem alten Radioapparat gemütlich gemacht hat.

Nach der Besichtigung folgt man dem Verlauf des Kajabachs bis zur Thaya. Auf dem Weg dorthin gibt es viel zu entdecken. Neben gut getarnten Wasserbewohnern wie der Köcherfliegenlarve und Wasserläufern finden aufmerksame Beobachter hier auch seltene Flusskrebse.

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Informationstafeln klären den interessierten Wanderer immer wieder über die für diese Region typische Fauna und Flora auf.

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Entlang der Thaya geht es dann zum Teil gemütlich …

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… und dann wieder über Stock und Stein immer weiter bis zum Umlaufberg. Hier bietet sich die Möglichkeit, über einen kurzen, aber sehr steilen Steig einen Aussichtspunkt zu erreichen, von dem aus man einen schönen Blick auf die Mäander der Thaya werfen kann.

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An warmen Tagen tummeln sich hier gern Smaragdeidechsen und Äskulapnattern – also Augen auf!

Findet man den Auf- und Abstieg zu riskant oder zu anstrengend, dann hat man die Möglichkeit, den Berg einfach zu umgehen, indem man weiter dem Verlauf des Grenzflusses folgt – das sind dann allerdings dreieinhalb Kilometer, also eine gute Stunde, mehr. Wir haben uns auf dem Hinweg für den Steig entschieden, um oben bei einer Jause den schönen Ausblick zu genießen, und sind dann dafür auf dem Rückweg der Thaya gefolgt.

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Nach einem steilen Abstieg bleibt man wieder am Fluss und genießt die unglaubliche Stille und Unberührtheit der Natur. Immer wieder bieten sich Möglichkeiten zum Verweilen, die man auch unbedingt nutzen sollte.

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Wer weiß, vielleicht haben Sie auch das Glück, einer in Österreich bereits als ausgestorben geglaubten Wildkatze zu begegnen. Falls nicht, können Sie auf dem Heimweg Frieda und Carlo, die beiden hauseigenen Wildkatzen, im Nationalparkhaus besuchen.

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Nach knapp zehn Kilometern erkennt man schon die Verbindungsbrücke zwischen Hardegg und Tschechien.

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Ein Besuch bei den Nachbarn lohnt sich, da es auch in Tschechien viele schöne Wanderungen gibt – z. B. zu den Eishöhlen, der Ruine Neuhäusel oder der Hardegger Warte.

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Wir bleiben dieses Mal aber in Hardegg und unternehmen nach einer Einkehr einen kleinen Stadtspaziergang.

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Neben dem imposanten Schloss gibt es im Ort und der Gemeinde Hardegg noch das Guckkastenmuseum und die Perlmuttdrechslerei, die sich dem Wanderer bereits durch ihre schillernden „Abfallprodukte“ im Flussbett ankündigt, zu besichtigen.

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Der vom Nationalpark vorgeschlagene Rückweg über die Landstraße ist mit einer Stunde Gehzeit zwar erheblich kürzer, aber wer will sich die schönen Eindrücke der vergangenen Stunden schon von Sonntagsfahrern verderben lassen? Wir waren mutig, sind die knapp zehn Kilometer wieder zurückgegangen und haben es zum Glück gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit zum Auto geschafft.

Weitere Informationen finden sie hier:

Nationalpark Thayatal

NOeN Extra

NP Podyji


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