Zu den Draisinen

Es war ein herrlicher Herbsttag, Ende Oktober in einem anderen Jahr. Wir fuhren bei Sonnenschein auf den Semmering und stiegen dort aus dem Zug, um wieder einmal den südlichen Bahnwanderweg in Angriff zu nehmen. (Die Berichte über unsere Ausflüge auf der niederösterreichischen Strecke können Sie u. a. hier und hier nachlesen.) Über dem Bahnhof schien auch noch die Sonne – aber als wir wie schon seinerzeit auf die Semmering-Passhöhe hinaufspazierten, zeigten sich schon Wolken, die uns bald nicht mehr sehr weit blicken ließen. Oben auf dem Pass begann es dann sogar leicht zu schneien, und weil es so windig geworden war, hüllten wir uns gleich einmal in die mitgebrachte, beinahe schon winterliche Wanderkleidung.

Aber wie man weiß, gibt es ja kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Menschen. Also folgten wir auf diesem Themenwanderweg unbeirrt den Spuren von Peter Rosegger, genossen den herbstlichen Blick auf die Natur …

… ebenso wie den Rauhreif …

… und freuten uns, wenn wieder einmal ein altes Bahnwärterhäuschen aus dem Nebel auftauchte.

In Spital am Semmering verzogen sich die Wolken ebenso plötzlich, wie sie gekommen waren. Die Sonne ging auf, wir schälten uns aus der Winterpanier und freuten uns über ganz neue Aussichten, die die Landschaft in einem völlig anderen Licht daliegen ließen.

Insgesamt war es eine erfreuliche Wanderung ohne besondere Vorkommnisse auf der Strecke (was ja in Zeiten wie diesen durchaus etwas Gutes hat). Der Höhepunkt der Tour war für den Autor dieser Zeilen jedoch das Südbahnmuseum. Dieses in zwei denkmalgeschützten Eisenbahnhallen beim Bahnhof von Mürzzuschlag untergebrachte Museum bietet schon mit seiner höchst informativ gestalteten Dauerausstellung zum Thema „Über den Berg. Wien – Mürzzuschlag – Triest in 13 Stunden 4 Minuten“ einen großartigen Einblick in die heimische Eisenbahngeschichte. (Neuerdings kann man hier sogar einen Escape-Game-Rundgang durch das Museum buchen …)

Wirklich einmalig ist jedoch die Draisinensammlung des Hauses, die im ehemaligen Rundlokschuppen zu besichtigen ist. (Da drin kann es zwar um diese Jahreszeit ziemlich kalt sein, aber jetzt haben wir ja eh wieder Sommer …) Anhand von mehr als 40 Originalfahrzeugen und Rekonstruktionen kann man die historische Entwicklung von Draisinen, Bahnwagen und Motorbahnwagen nachvollziehen, die von 1838 bis 1970 von Bahnaufsicht und Bahnerhaltung verwendet wurden. Auch Lokomotiven sind hier ausgestellt – aber ganz ehrlich: Draisinen sind interessanter, nicht nur für die Fans alter Westernfilme.

Unser bevorzugtes Wandergebiet ist zwar nach wie vor der – in unserem Buch so ausführlich behandelte – Wienerwald, aber wenn Sie wie wir gelegentlich „fremdgehen“ wollen, empfehlen wir den Semmering-Bahnwanderweg in beiden Varianten. Wobei die steirische mit den Museums-Draisinen eben noch einen weiteren Anreiz zu bieten hat … (ph)


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