Sturm und Drang

Freitag, 16. Oktober, Vormittag: Im Kopf stürmt und drängt es. Vieles ist ungeklärt und will bedacht sein, einiges ist passiert und anderes nicht. Das lässt sich zu Hause am Schreibtisch nicht in Ruhe überlegen. Da das Wetter auch in Ordnung ist und der Himmel uns einen weiteren angenehmen Herbsttag schenkt, mache ich mich also auf den Weg nach Rodaun und trete von Hietzing/Kennedybrücke aus die lange Fahrt mit dem 60er bis zu seiner Endstelle (siehe oben) an, wo die Wanderung Nr. 15 – Am Stadtrand von Wien aus unserem unentbehrlichen Handbuch Wandern im Wienerwald ihren Anfang nimmt.

Bevor ich das erste Teilziel – die Bergkirche von Rodaun (siehe Bild oben links, photographiert aus der Willergasse) – erreiche, biege ich allerdings noch in einen Supermarkt ab und kaufe mir eine gesunde Fleischlaberlsemmel, weil sowas bekanntlich fürs Gehen und fürs Sinnieren stärkt. Nach der Jause im kleinen Park vor der Kirche trete ich dann aber ernsthaft den Wanderweg Richtung Wiener Hütte an, der (siehe Bild oben rechts) angenehm herbstlich belaubt ist.

Schnellen Schrittes gehe ich an dem Ausflugslokal vorbei, ebenso wie an dem Griechen und der Bücherbox (!) daneben in Breitenfurt, um am Rand der Ortschaft beim Römerweg wieder einen Aufstieg im Wald zu beginnen. Bald ist die Forststraße erreicht, die nach kurzer Zeit einen Blick auf Laab im Walde bietet. Die Abzweigung dorthin, die einst deutlich markiert und zwischendurch durch einen Holzstoß verdeckt war, sieht jetzt so aus wie auf den Bildern oben: Wenn man sich ihr nähert (links) erkennt man gar nichts, geht man um den Stecken mit den Schildern herum (rechts), auch nicht viel mehr Nützliches. Erst ein Blick in den Wald überzeugt mich davon, dass ich auf diesem schmalen, bergab führenden Pfad richtig bin. Also nehme ich ihn …

… und merke nach kurzer Zeit (zwischen meinem im Mittelhirn stattfindenden Überlegungen und Formulierungen), dass man den Mittelteil dieses einst schön bewaldeten Weges brutal abgeholzt hat – siehe oben. Zwischen den letzten noch existierenden Bäumen weiter unten steige ich über das kleine Bächlein, das kaum Wasser führt, und erreiche so am Waldrand das Kloster St. Josef, von dessen Anhöhe aus sich ein schöner Blick auf die Ortschaft Laab im Walde bietet.

Dort angekommen, erwartet mich eine freudige Überraschung: Das Restaurant Laaberhof hat wieder geöffnet und harrt des Besuchs … nicht nur der Wanderer. Ich bin allerdings in einem derartigen Tempo unterwegs (und merke, wie das Fleischlaberl in mir arbeitet), dass ich diesmal nicht dort einkehre, sondern eine kulinarische Überprüfung auf das nächste Mal verschiebe.

Nun geht es auf teilweise bekannten Wegen (siehe auch hier) weiter; die Wiese nach der Gütenbachstraße, auf die ich im Sommer nicht mehr einbiegen konnte, ist mittlerweile wieder passierbar, und man kann den Weg – siehe unten – wieder erkennen.

Wie diese Route genau verläuft, das sollten Sie allerdings in unserem Wanderbuch nachlesen, wo Sie auch viele Einzelheiten zu Sehenswürdigkeiten am Weg finden können – z. B. der Wotrubakirche alias Kirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit (siehe unten). Die ist jetzt auch schon 50 Jahre alt und in dieser ganzen Zeit nicht schöner geworden. Das Beste, was man über sie sagen kann: Man gewöhnt sich daran. Und freut sich auf den Sternengarten, den es ein paar Schritte weiter zu bestaunen gibt.

Die gute Nachricht: Obwohl es nicht windig ist, habe ich mir den Kopf freigestürmt, weiß jetzt, was zu tun und wie es zu tun ist, und besteige die Straßenbahn Richtung heimwärts. Danke für Ihre Begleitung! (ph)


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