Heimitos Heim

Geht man im Zuge der Wanderung 3 in unserem informativen Buch „Wandern im Wienerwald“ vom Parkplatz beim ehemaligen Lokal „Grüner Jäger“ – anfangs parallel zur Autostraße und am Grabmal von Gideon Ernst Freiherr von Laudon vorbei – zu den Türkensteinen, so fällt eine Hinweistafel auf, die zum Dodererstein weist. 

30 Wegweiser zum Dodererstein

Das macht neugierig … Schon nach 20 m erspähen wir einen unruhig wirkenden Gedenkstein mit einer Tafel, die darauf hinweist, dass der Schöpfer der „Strudelhofstiege“ hier geboren wurde. Jeder Wanderer, der das liest, stellt sich unwillkürlich die Frage: Wieso hier, mitten im Wald des ehemaligen Laudonschen Landschaftsparks?

28 Dodererstein

Nun, Heimito entstammte einem alten Adelsgeschlecht und war das sechste und jüngste Kind seiner Eltern. Sein Vater war der angesehene Architekt, Ingenieur und Bauunternehmer Wilhelm Carl Gustav von Doderer. Nachdem dieser 1893–95 am Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanals (heute Nord-Ostsee-Kanal) in Schleswig-Holstein beteiligt war, übersiedelte er in die österreichisch-ungarische Monarchie und war in leitender Position mit der Planung des Wasserrückhaltebeckens Auhof und der Wiener Stadtbahn im Wiental beschäftigt. Um den Baustellen in diesen Bereichen näher zu sein, wurde seiner Familie das Laudonsche Forsthaus in Hadersdorf-Weidlingau als Wohnort zur Verfügung gestellt. Und wie das Leben so spielt: In diesem 1960 abgerissenen Haus, das eben unterhalb jener Stelle stand, wo heute der Gedenkstein aufgestellt ist, erblickte Heimito als Nachzügler am 5. September 1896 das Licht der Welt.

In weiterer Folge war der väterliche k. u. k. Oberbaurat auch an der Errichtung der Tauernbahn, der Karawankenbahn und der Mittenwaldbahn beteiligt, die alle noch vor dem Ersten Weltkrieg in Betrieb gesetzt wurden. Die Doderers zählten bis zu Kriegsbeginn zu den reichsten Familien der Monarchie; erst durch die Kriegswirren wurde ihr Vermögen geschmälert.

Heimito von Doderers Leben entwickelte sich aber ganz und gar nicht in Richtung eines kraftvollen Konstrukteurs und Unternehmers – seine Kraft lag vielmehr in der Konstruktion fein ziselierter Worte. Aber das ist eine andere Geschichte.  (shaw)

 


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