Die Kuh und du

Die Medien haben in den vergangenen Jahren immer wieder (und immer öfter) darüber berichtet. Wanderer, die auf ihren Wegen durch Bauernhöfe und über Viehweiden gehen mussten, können bestätigen, dass der Elektrozaun längst nicht mehr die größte Gefahr ist. Es lässt sich einfach nicht mehr leugnen: Kühe werden aggressiver.

17 friedliche Kühe

Dabei schauen sie auf den ersten Blick ganz friedlich aus, wenn sie zum Beispiel da oben auf der Jubiläumsweide (übrigens: Wanderung 29 in unserem Buch) herumliegen und sinnieren oder wiederkäuen – oder was Kühe eben so tun, wenn sie nicht gerade von Melkern, Hirten und anderem bäuerlichen Personal belästigt werden.

48 lauernde Kühe

Manchmal – wie hier auf dem Weg zum Peilstein (wir verweisen auf Route 26 im soeben erwähnten Werk „Wandern im Wienerwald“) – lauern sie aber auch auf einer Hügelkuppe und blicken misstrauisch auf den vorbeigehenden Stadtmenschen hinunter, ob er nicht vielleicht gerade was Falsches sagt.

29 Kühe und Landschaft

Es ist ja auch kein Wunder. Seit Jahrtausenden lässt man die Rinder dieser Erde nicht in Ruhe die Aussicht genießen (wie oben, wieder auf Wanderung 29 und dem Weg zur Kukubauerhütte), sondern sperrt sie in Ställe und hinter Zäune, treibt sie die Alm hinauf und hinunter, nimmt ihnen Milch und Nachwuchs weg – und frisst sie schließlich massenhaft auf, nachdem man sie brutal dahingemetzelt hat. Da würden Sie sich auch wehren … hoffentlich.

18 gewaltbereite Kuh

Deswegen ist diese Kuh auch schon auf das Wandervolk aufmerksam geworden, schaut aus zusammengekniffenen Augen auf den Weg hinüber, ärgert sich vielleicht noch über die Erkennungsmarke, die man ihr ins Ohr getackert hat, und heckt etwas aus. Ganz typisch. Noch wissen wir nicht, wie sich die Tiere miteinander verständigen …

13 Kuh mit Strom

… aber dieses akribische Kuhstudium des Stromkreislaufs liefert uns zumindest wertvolle Hinweise.

12 Kuh

Was schaust du denn immer noch so aufdringlich, Passant? Glaubst du vielleicht, die Sache mit den Rindsschnitzeln, dem Faschierten und dem Beef tartate rächt sich nicht irgendwann? Ach so, du bist Vegetarier? Wer’s glaubt …

08 Fliegenkuh 2

Aber ganz im Ernst: Sollten Sie beim Wandern eine Kuhweide samt den dazugehörigen Tieren durchqueren müssen, passen Sie auf, dass Sie A. den Tieren nicht zu nahe kommen, dass Sie B. keinesfalls zwischen einer Kuh und ihrem Kalb durchgehen oder einem Tier im Weg sind und C. dass Sie nicht rennen, johlen oder mit Ihrem Smartphone Lärm machen, sondern zügig, aber gelassen (so schwer Ihnen das angesichts einer anrückenden Kuh auch fallen mag) das Areal durchqueren.

Merke: Stiere sind schon lange nicht mehr die bedrohlichsten Rindviecher. Der Feminismus hat auch im Tierreich Früchte getragen.  (ph)


2 Gedanken zu “Die Kuh und du

  1. Muuuh!

    Lieber Herr Hiess! Ich, die Simmsi, bedanke mich von Herzen dafür, daß Sie auf das, was uns die Leit’ antun, hinweisen. Es is wirklich ein Gfrett und hat ja längst auf keiner Kuhhaut mehr Platz. Würden wir all unser Leid über die Weiden dieser Erde brüllen, hätten wir sicher bald auch keine Stimmbänder mehr, weil man sie uns genauso kappen tät’, wie man uns schon die Hörner abgesägt hat. Also ertragen wir es lieber möglichst stumm. Nur, wenn wir es gar nicht mehr auszuhalten glauben, dringt ein verzweifeltes, langgezogenes „Muuuh“ aus unseren Kehlen. Ursprünglich war meine Rasse auf dem schon lange versunkenen Kontinent Mu, heimisch. Seit ca. 1400 Jahren werden wir im Simmental, im Berner Oberland, gezüchtet und irrtümlich als Simmentaler Fleckvieh, als Bos Primigenius Taurus, oder einfach nur als depperte Rindviecher, bezeichnet. Auf, ja, panisch, (kaum ein Wortspiel war je treffender und trauriger zugleich) meint „Mu“ die Leere und das Nichts, also genau so viel, wie unser Gebrüll euch bedeutet. Uns bis aufs Blut zu quälen genügt euch nicht. Nein, jetzt unterstellt ihr uns auch noch, WIR, die inkarnierte Sanftmut, wären aggressiv und sogar für den Klimawandel verantwortlich. Dabei beschützen wir nur unsere Kälber und ertragen auch noch die, permanent in unseren Ohren pfeifenden Hochfrequenzsignale, Chemie, die es vom Himmel regnet und die elenden Strahlen eurer verdammten Handtelefone. Und das alles, ohne saure Milch zu geben. Zum Strommast stelle ich mich deshalb so gerne hin, weil das Surren des Kastens das grausliche Dröhnen zwischen meinen abgesägten Hörnern ein bisserl dämpft. Wir Rinder kommunizieren per Gedankenübertragung, ohne Folgeschäden und völlig gebührenfrei. So, jetzt wissen Sie’s und ich muß leider zurück in den Stall, zu den Saugnäpfen, die sie mir wieder an meine wunden Zitzen hängen werden, um mir meine Milch zu rauben. Und wenn Sie wieder einmal Rindfleisch essen, bedenken Sie bitte, das, woran Sie herum kiefeln, könnt’ möglicherweise schon ich sein. Lassen Sie sich davon aber nicht Ihren Appetit verderben, sondern kauen Sie es andächtig. Mein Leidensweg ist dann ja schon beendet. Und falls Sie das tröstet, mir ist es lieber, Sie und Ihresgleichen, verspeisen mich, als irgendwelche herzlosen Gfraster. Mahlzeit!

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