Das 100-Jahre-Versprechen

Wir sind im Lauf der Jahre oft daran vorbeigegangen – aber immer unter der Woche (weil man da lieber wandert als am überlaufenen Wochenende) oder zur falschen Jahreszeit. Doch erst jetzt, bei unserer diesjährigen Begehung der Wanderroute 27 in unserem Buch, haben wir es geschafft, die Falkensteinerhütte am Osthang des Bergkamms Hasenriegel im Schöpflgebiet einmal offen vorzufinden. Und nicht nur das, wir waren wegen des nieseligen, kühlen Wetters auch die einzigen Gäste dort und konnten das „Hüttenerlebnis“ so richtig genießen.

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Einladend ist die vom Touristenverein Falkensteiner betriebene Hütte – die leider nur an Sams-, Sonn- und Feiertagen geöffnet hat (und das auch nur in den Monaten Mai, Juni, September, Oktober und November) – bei jedem Wetter. Außen erklärt uns eine Tafel, dass der Verein bereits im Jahr 1921 gegründet wurde (dazu später mehr), die Hütte seit 1938 fertig ist und in 642 Meter Seehöhe liegt. So richtig gemütlich wird es dann aber im Inneren des Hauses.

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Dort empfangen uns nämlich nicht nur Herr Franz Petrzelka, der Kassier des Vereins, der an den Wochenenden hier als Ober fungiert, sondern auch der Obmann Dir. Gerhard Hallatschek, der in der Küche Wunder wirkt. Und nachdem wir eine wirklich gute Kaspressknödelsuppe und eine Runde Radler serviert bekommen haben, dürfen wir das Haus besichtigen.

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Alte Kredenzen, Kaffeemühlen und Mokkakannen weisen gleich darauf hin, dass hier Sammler am Werk sind, die in den Häusern und Höfen der Umgebung vieles davor retten, weggeworfen zu werden. Die Räume und Speisesäle der Falkensteinerhütte wirken so angenehm (für den Garten ist es uns ja doch ein bissl zu kühl), dass wir am liebsten gleich dableiben würden. Auch der alte Teil – siehe unten – der früher eigentlich die ganze Hütte war, wirkt höchst einladend.

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Wir dürfen auch interessierte Blicke ins Zimmer mit den Schlafplätzen und in die Küche der Falkensteinerhütte werfen, die – wie wir erfahren – aufgrund kakanischer Zustände und absurder EU-Vorschriften dieselben gesetzlichen Anforderungen erfüllen muss wie die Küche im Hotel Sacher. Das Essen ist trotzdem gut, weil der Herr Obmann noch ordentlich zu kochen versteht und die Gattinnen der Vereinsmitglieder phantastische Mehlspeisen machen, die hierorts zur Verkostung gelangen.

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Besagter Obmann, der Herr Direktor Hallatschek, ist übrigens der Enkel des Vereins-Mitgründers und -Obmanns Franz Hallatschek und musste seinem Großvater am Sterbebett versprechen, den Verein mindestens 100 Jahre lang zu bewahren. Dieses Versprechen hat er vor seinem Vater dann noch erneuert, also bleibt ihm wirklich nichts anderes übrig, als mindestens noch drei Jahre durchzuhalten. Wenn man sich seine durchaus heiter erzählten Geschichten über behördliche Schikanen, sierige Mountainbiker, wandernde Jungfamilien ohne jeden Hausverstand (den haben sie wahrscheinlich beim Billa gelassen), Holzfäller und adelige Waldbesitzer anhört, kann man ihn nur für seinen Langmut bewundern – und ihm weiterhin starke Nerven wünschen. Bis 2021 und hoffentlich noch lange danach …

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Damit das funktioniert, ist aber noch mehr nötig als viel Humor und ein gesundes Nervenkostüm. Die Falkensteinerhütte bedarf nämlich dringend – und das natürlich für mehr als die kommenden drei Jahre! – einer Generalsanierung und soll im Zuge dessen auch ausgebaut werden, um dem steigenden Bedarf für Verpflegung und Unterkunft am Wienerwald-Weitwanderweg WWW 404 gerecht zu werden. Saniert werden sollen Mauerwerk und Dach, Stützmauer, Terrassen und Außenanlagen; ausbauen will man die Räume im Erdgeschoß, das Dachgeschoß (um weitere Schlafplätze zu bieten) und den Zubau im Erdgeschoß. Dann wird es nicht nur möglich sein, sich in der Hütte zu verköstigen und dort zu übernachten, sondern es wird auch mehr Platz für Veranstaltungen und andere Aktivitäten geben.

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Jaja, so Gott will … aber dafür ist nicht nur der liebe Gott zuständig, sondern auch SIE als Wanderer, der traditionsreiche Hütten zu schätzen weiß und sie nicht durch sinnlos modernisierte Ausflugslokale für Social-Media-Hipster und Bergradlfahrer ersetzt sehen will. Wie und wo Sie für die Generalsanierung spenden können und was Ihnen eine Patenschaft – außer einem edelmütigen Gefühl – einbringt, das erfahren Sie auf der Homepage des Touristenvereins Falkensteiner unter „Projekte/Patenschaft“. Hier können Sie auch genau nachlesen, was der Aus- und Umbau alles beinhaltet.

Nach der genialen Kaspressknödelsuppe (einer echten Rindsuppe!), einem Überraschungsschnaps und vielen guten Geschichten verabschieden wir uns schweren Herzens und gehen unserer Wege. Aber wir kommen wieder, garantiert. Gleich im Herbst, nach der Sommerpause.  (ph)

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