Restp(f)osten

Weil wir uns ja so gern und oft beschweren über gewissenlose Forstarbeiter, die nichts lieber tun als A. im Zuge ihrer Tätigkeit genau die Bäume mit Markierungen zu fällen und B. bei Kreuzungen besagte Bäume auf jeden Fall zu entfernen, ob es in der Gegend nun was Waldwirtschaftliches zu tun gibt oder nicht … weil wir also, wie praktisch jeder Wanderer, mit dem wir uns bisher unterhalten haben, manchmal ganz schön angefressen sind auf jene Werktätigen oder selbständigen Landwirte, die einem die geliebte Freizeitbeschäftigung scheinbar erschweren wollen … deshalb also diesmal was Positives.

Es gibt nämlich auch nette, fürsorgliche Holzfäller, die – selbst wenn sie die Arbeitswut packt – ein Herz für Ratlose und Verirrte haben. So wie die uns unbekannten Herren (HerrInnen werden’s wohl keine gewesen sein), die auf dem Weg von der Windischhütte nach Weidlingbach – Wanderung 5 in unserem überaus lesens- und besitzenswerten Buch – zwar schrecklich gewütet haben, aber doch den einen oder anderen Baumrest mit Markierung stehenließen, auf daß man sich auskenne und nicht den falschen und steinigen Weg beschreite. So wie hier:

52 Richtung Weidlingbach stehengebliebene Markierung 1

Oder auf dem folgenden Bild, wo es es sogar gelungen ist, trotz Waldwegverbreiterung auf Landstraßenausmaße gleich zwei Markierungen für die Nachwelt zu erhalten:

54 Richtung Weidlingbach stehengebliebene Markierung 2

Manchmal will einem aber einfach auch nur die Natur zeigen, wer in Wirklichkeit im Wald die Macht hat – so wie hier in der Nähe von Haselbach. „Der Baum hätte dir, o Wanderer, auch auf den Kopf fallen können“, scheint sie, die gute alte Natur, zu sagen. „Aber verzage nicht, hier ist die Markierung – also geh weiter, es ist eh nix passiert. Noch nicht.“

Danke, Natur! Und danke, Forstleute!  (ph)

47 Abstieg von Haselbacher Straße gestürzte Markierung


Ein Gedanke zu “Restp(f)osten

  1. Verehrter Herr Hiess! Ich bin’s, der Restpfosten. Ihre schöne Schilderung und mein Standpunkt in dieser Causa, zeigen, wie relativ und abhängig von der Position des Betrachters, die jeweilige Wahrnehmung ist. Von meiner Warte aus, die leider unveränderlich ist, sind Ihre lieben Holzarbeiter gewissenlose Gfraster, fern jeder Ästhetik, hemmungslose Auftragskiller im Solde der Forstwirtschaft. Mich ham die Verbrecher ohne mit der Wimper zu zucken einfach unterhalb der Kniescheibe- wenn Sie mir diesen symbolischen Vergleich erlauben wollen, umgeschnitten. Sie ham mich zum Gespött der an mir Vorbeiwandernden, zu einem Stumpf mit buntem Stirnband, degradiert. Dabei war ich noch ein junger Bam in den besten Jahren, weder morsch, noch ein Oasch mit Rinde, der gerne noch viel weiter gen Himmel gewachsen wäre und seine Äste nach den feschen Buchenmentschern rund um sich, ausgestreckt hätte. So wurde meinem innigsten Bamtram mittels einer mordgierigen Motorsäge barbarisch der Garaus gemacht. Aber es freut mich dennoch, daß ich wenigstens Ihnen und anderen Wanderern noch den Weg weisen kann. Das macht mein leidiges, weiteres Dasein zumindest nicht völlig sinnlos. Ich bitt‘ Sie, legens mir doch, wenn Sie das nächste Mal zu meinem Standort kommen, ein kleines Buchenzweigerl, oder ein paar Blätter auf’s rasierte „Haupt“. Damit ich wenigstens ein bisserl daran schnuppern kann.

    Mit hölzernem Gruß, verbleibe ich – und laufe Ihnen auch sicher nicht davon – da verfaul ich vorher. Ergebendst, Ihr Restpfosten

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