Die große Abholzung

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Anfang April 2018: Dort, wo einst ein schöner, breiter Waldweg durch den Naturpark Eichenhain zur Windischhütte hinaufführte, ist nur mehr eine verwüstete, breite und schutzlos dem Sonnenlicht ausgesetzte Forststraße geblieben. An beiden Seiten türmen sich die Holzstöße, überall findet man Spuren des Harvesters, der hier gnadenlos gewütet hat.

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In einem Naturpark ist ein solcher Anblick ein Trauerspiel. Wie es an zahlreichen Stellen in den Wäldern um Klosterneuburg heißt, soll das Eschentriebsterben daran schuld sein, dass viele Strecken derzeit nicht begehbar sind und zahlreiche Bäume gefällt werden müssen. Aber: Warum werden die Sperren so willkürlich gesetzt, dass in manchen Waldstücken keine Spur von Baumkrankheiten zu sehen ist – und ein paar Meter daneben herrscht unbegehbarer Holzfällerirrsinn? Und warum schneidet man ganz zufällig nur die Bäume neben den Wegen um (als wollte man die Forststraßen zu Autobahnen verbreitern) und lässt die anderen stehen? Wenn ein fünf Meter vom Wegesrand entfernter „kranker“ Baum umkippt, kann er ja genauso einen Wanderer erschlagen …

Kurz und gut: Man könnte den Waldbenutzer auch auf Informationstafeln (sind ja sonst kein Problem) mitteilen, was da los ist.

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Auch der Weg von der Windischhütte hinunter nach Weidlingbach (Wanderung 5 in unserem Buch „Wandern im Wienerwald“) nimmt einem alle amtlich verkündeten Illusionen über einen „Biosphärenpark“ oder eine „Lebensregion“. Hier wird Holz gemacht – und mit Holz wird Geld gemacht, das ist nichts Neues.

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Das Ergebnis solcher Machenschaften ist, dass es im Wienerwald an immer mehr Stellen so aussieht, dass riesige Waldgebiete geschlägert werden sowie plötzlich neue Straßen und Trassen im Wald angelegt werden. Der Wanderer nimmt es hin, sucht sich andere Routen, weicht brav aus, wenn eine neue Mountainbike-Abfahrt angelegt wird – aber wie lange noch?

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Josef Schöffel, der „Retter des Wienerwalds“, bewahrte seinen geliebten Wald einst davor, gewissenlosen Spekulanten zum Opfer zu fallen. (Mehr dazu in unserem Buch …) Vielleicht sollten wir uns auch endlich gegen die irrwitzige Abholzung wehren, die wir bei der Arbeit an unserem Wanderbuch so oft feststellen mussten – und zwar, bevor es zu spät ist.

Wie Friedrich Winna im Vorwort zu seinem Buch „Die 1000jährige Geschichte des Wienerwaldes“ (Carl Gerolds Sohn Verlagsbuchhandlung) so richtig schreibt: „Inzwischen sind die Gefährdungen und Gefahren in ihrer tückischen und schleichenden Vielfalt zu einem schwer erfaßbaren System von Kettenreaktionen geworden. … Merken wir’s, Heimatfreunde: ,Auch in unserem Wienerwald geschieht nichts Gutes – außer man tut es!‘ (frei nach E. Kästner)““

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Vergessen wir nicht: Auch Wanderer haben Rechte! Und zu denen gehört das Recht, in einem Wald unterwegs zu sein, wo es nicht aussieht, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Wehren wir uns also gegen den Ausverkauf – bei Gemeinden, Waldbesitzern, Alpen- und Naturfreunde-Vereinen! Oder auch der zuständigen Magistratsabteilung …

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Zur Motivation noch ein paar ebenso aktuelle wie deprimierende Bilder. So schlimm hat’s nicht einmal zur Zeit des angeblichen „Waldsterbens“ ausgesehen!  (ph)

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3 Gedanken zu “Die große Abholzung

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