Geh weiter!

Das alles liegt im Dunkel der Vergangenheit, weit zurück in einem früheren Jahrtausend. Na gut, seien wir ehrlich: Es war Mitte der Siebziger, genauer gesagt, am 8. Juli 1975, als zwei damals noch wirklich sehr junge Menschen, die einander ein paar Jahre zuvor im Gymnasium kennengelernt und unter anderem ihre gemeinsame Vorliebe fürs Wandern entdeckt hatten, sich auf den Weg machten.
Und dieser Weg war der Weitwanderweg 05, den es seit 1970 offiziell gibt und der aus dem nördlichen Waldviertel (Nebelstein an der tschechischen Grenze) über 520 Kilometer ins steirische Eibiswald (an der damals jugoslawischen Grenze) führt. Das hörte sich nach einem Abenteuer an.
So sah man damals aus, wenn man abenteuerlustig war und ansonsten von nichts eine Ahnung hatte:

Nord-Süd-WW 2.jpg

Furchtbar! Abgesehen von der 70er-Jahre-Mode, die in jeder Hinsicht nachteilig war und über die wir BITTE NICHT MEHR SPRECHEN WOLLEN, wussten wir auch vom Wandern nur das, was wir durch familiäre und gemeinsame Halbtagsausflüge in Wien und Umgebung mitbekommen hatten – also viel zu wenig. Das Bild zeigt die hoffnungsvollen Weitwanderer unterhalb des Nebelsteins, am Vorabend ihrer ersten Schritte Richtung Steiermark. Vorher kam es aber noch zur Übernachtung im Schlafsaal der Nebelsteinhütte, wo man wegen heftigen Schnarchens, Rumorens, Stöhnens und anderer unerwünschter nächtlicher Äußerungen des Mitmenschen kaum ein Auge zutun konnte.

Am nächsten Tag ging es los – ich glaube, es waren phantastische 38 Kilometer, die wir an diesem ersten Weitwandertag frisch und munter zurücklegten. Jeder von uns schleppte einen Rucksack von ca. 14 kg Gewicht mit, der mit allerlei Unnötigem angeräumt war (Würfelzucker, Bücher usw.) und dessen Riemen böse in die Schultern schnitten. Zudem war das Schuhwerk A. ungeeignet bzw. B. nicht eingegangen, sodass wir schon nach den ersten paar Stunden gemeine Blasen an den Füßen hatten. Von Salben, Blasenpflastern und ähnlichen Dingen hatte uns kein Mensch was gesagt – aber wir waren sowieso jung und brauchten das alles nicht.

Aber schön war’s: traumhaftes Wanderwetter; freundliche Bauern, die einen auf Wunsch gratis mit Getränken versorgten (man will ja keinen sterbenden Stadtjugendlichen auf dem Grundstück haben …); ein stets betrunkener älterer Wanderprofi, der uns trotz seiner abendlichen Vollräusche immer wieder ganz locker überholte. Am zweiten Tag haben wir aber gleich nur mehr 18 Kilometer geschafft, wegen übermäßiger Erschöpfung.

Wandertag drei führte uns dann auf den Jauerling, die ganze Zeit dicht gefolgt von einem Gewitter, das uns nach einem gewaltigen Mittagessen (Merke: Während des Wanderns sparsam speisen, der volle Magen drückt sonst aufs Zwerchfell und die Lunge! Aber auch das wussten wir seinerzeit noch nicht.) dann beim Abstieg vom Berg endlich erwischte. Vorher schafften wir es allerdings noch in die Ortschaft „Peking“, die direkt am Jauerling liegt, wie dieses recht abstrakte Photo – eines der wenigen verbliebenen Dokumente – vortrefflichst dokumentiert.

Peking.jpg

Was soll ich Ihnen erzählen? Der nächste Tag brachte uns von Spitz über die Donau, Maria Langegg und die Ruine Aggstein nach Melk. Und dort haben wir unser heldenhaftes Vorhaben dann aufgegeben. In den steirischen Bergen vor uns herrschte eh Katastrophenwetter samt Vermurungen, wie man aus den Medien hörte. Und uns taten die Füße und die Schultern weh (obwohl Helmuth A. W. sich mittlerweile seine vielen Handtücher unter die Rucksackriemen legte) – also setzten wir uns in den Zug und fuhren heimwärts nach Wien. Die besorgten Mütter waren froh darüber …  (ph)


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