Die Mödlinger Electrischen

190407-29 md verkehrsmuseum1Im vergangenen September war an dieser Stelle ein Beitrag über die legendäre Linie 360 zu lesen, die jahrzehntelang Rodaun mit Mödling verbunden hat und heute nur mehr in der Erinnerung lebt.
Heutzutage kann man entlang der Strecke aber noch zahlreiche Relikte finden, die vergessen machen, dass diese Verbindung nur mehr historischen Wert hat – einige spektakuläre Bilder dazu waren im Blogbeitrag „Es war einmal – die Linie 360“ zu sehen. Weiters wurde erwähnt, dass das Mödlinger Stadtverkehrsmuseum alle Informationen dazu bündelt und auch entsprechende 1:1-Modelle ausgestellt hat, damals aber leider geschlossen war. 

Nun hat das Museum seine Portale nach einer Umbau- und Schließphase Ende März wieder geöffnet und präsentiert in der runderneuerten großen Wagenremise neben dem Bahnhof Mödling wieder seine erstaunlichen Bilder und die großartig restaurierten Straßenbahnwagen. Darunter ist auch der Triebwagen
K 2426, der von 1913 bis 1987 eine bewegte Geschichte im Fahrbetrieb und nach der Einstellung der Linie im Ausgedinge erlebt hat, bis er schließlich vom Obmann und Fachmann des Museums, Peter Standenat, angekauft und restauriert werden konnte (siehe unten links).

Die eigentliche Besonderheit des Museums ist aber eine Ausstellung zum Thema „Electrisch in die Hinterbrühl“ über die erste dauerbetriebene elektrische Straßenbahn der Welt. Anhand etlicher Schautafeln wird gezeigt, wie der Weg von den ersten elektrischen Eisenbahnen zu den ersten Rollversuchen von Straßenbahnen geführt hat. Man erfährt zum Beispiel, dass zehn Jahre nach der Weltausstellung im Prater eine eineinhalb Kilometer lange Ausstellungsbahn zur Rotunde installiert wurde. Sie war allerdings nur von Ende August bis Anfang November 1883 in Betrieb.

Im Oktober dieses Jahres wurde auch mit dem Bau des ersten Abschnitts der Bahn in die Hinterbrühl begonnen, nämlich bis zur Klausen. Im April darauf konnte bis zur Vorderbrühl verlängert werden, im Juli 1885 war die ganze Strecke fertig und befahrbar (4,5 km). Dem Dauerbetrieb mit Schlitzrohrsystem bis zum Jahr 1903 ist die Ausstellung gewidmet.

All das und noch mehr ist großartig dokumentiert und auch in dem aufwendig mit reichlich historischem Bildmaterial gespickten Begleitbuch zur Ausstellung von Peter Standenat festgehalten, das im Museum erworben werden kann.

Wenn Sie im Zuge der Wanderung 20 in unserem Buch „Wandern im Wienerwald“ am Bahnhof Mödling aufbrechen, schauen Sie doch vor Beginn der eigentlichen Tour noch bei der großen Wagenremise vorbei – normalerweise geöffnet an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 12 Uhr. Sie werden nicht enttäuscht sein.  (shaw)


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