Sozialdemokratisches Wanderparadies

Gelegentlich soll man ja auch andere Wege gehen als die gewohnten … das sagen wir uns zumindest immer wieder vor. Also: Stadtwanderweg 7 – der rund um den Laaerberg. Wenn es Gegenden in der eigenen Stadt gibt, die man auch nach Jahrzehnten noch nicht kennengelernt hat, wird es ja auch wirklich Zeit, dieses Versäumnis nachzuholen. Und die 15 Kilometer Weg durch nicht allzu hügeliges Gebiet können nach der Winterträgheit sowieso nichts schaden. Schließlich gilt es bald wieder unser Buch „Wandern im Wienerwald“ zu aktualisieren und dann auch ganz neue Wege in ganz anderen Gebieten zu gehen.

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So treibt einen die Vernunft also hinaus aufs Feld. In diesem Fall buchstäblich, wie Sie auf obenstehendem Photo sehen. Wir brauchen zu Fuß schon einmal eineinhalb Kilometer bis zu unserem privaten Einstieg in den Stadtwanderweg, der auf dem Goldberg (siehe Karte unten; gleich über der Bezeichnung „Goldberg“, wo der Weg ein Eck macht) stattfindet. Danach geht es nicht in den Kurpark Oberlaa, obwohl die offizielle Wegbeschreibung der Stadt Wien diesen Eindruck erweckt, sondern nur ein Stück an dessen Zaun entlang – und dann über weitere Felder und Wiesen hinunter zum Liesingbach, den wir beim beliebten „Brückenwirt“ erreichen.

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© ViennaGIS

Auf dem Bild unten dürfen wir Ihnen eine der größten Attraktionen des Wegs vorstellen: den Blick auf den Schneeberg, der uns vor dem Abstieg ins Tal des Liesingbachs noch stolz zeigt, warum er so heißt.

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Jetzt geht es ein paar Kilometer am Bach entlang, auf einer schönen Promenade, die auch bei Radfahrern und Joggern sehr beliebt ist. Ein kurzer Hinweis noch, der den gesamten Weg betrifft: Wenn es sehr sonnig ist, lassen Sie’s – außer Sie gehören zu denen, die sich gern ungeschützt und stundenlang dem prallen Sonnenlicht aussetzen. Wir haben Glück, es ist leicht bewölkt an diesem Vorfrühlingstag.

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An der Kreuzung mit der Himberger Straße, wo eine Brücke über den Liesingbach führt, finden wir eine Statue des Heiligen Nepomuk, der hier ziemlich arm dreinschaut. Im Volksmund heißt er passenderweise „Bruck’nhansl“ – und wurde einst massenweise in Zogelsdorf bei Eggenburg produziert, wie man in einem hochinformativen Artikel im „Döblinger Extrablatt“ nachlesen kann, wenn man nach „Nepomuk“ sucht. (Schauen Sie sich bei der Gelegenheit gleich die ganze Ausgabe des „Extrablatts“ an, lesen Sie auch ein paar andere Nummern – und durchstöbern Sie die hervorragende Website Döblinger Heimatkunde von Wolfgang Schulz, wenn Sie sich für diesen Bezirk interessieren.)

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Wo waren wir? Ah ja … Kaum haben wir den Liesingbach verlassen, beginnt der „betonromantische“ (und ziemlich lange) Teil dieser Route. Wir hatschen über Brücken, …

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… an Bahngleisen entlang, …

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… neben den kunstvoll verzierten Lärmschutzmauern der Autobahn dahin …

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… und gelangen schließlich zu dieser abscheulichen Kreuzung.

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Rechts im Bild unten, wo Sie die wie üblich grauenhaft gestaltete U-Bahn-Station sehen, beginnt der Stadtwanderweg 7 laut Plan – auf einem Platz, wo außer dem Straßenschild „Altes Landgut“ so gar nichts mehr an ein Landgut erinnert. Würden wir hier aus der U1 aussteigen und unsere Wanderung beginnen wollen, dann wollten wir wahrscheinlich doch eher nicht. Unter Autofahrern ist dieser Ort übrigens als „Verteilerkreis Favoriten“ bekannt. Nichts auf der Welt sollte so heißen.

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Nach ein paar tiefen Lungenzügen voller Abgase steigen wir vom Verlorenen Landgut zu einem Fußballstadion hinauf, kommen an schier unendlich vielen Sportplätzen und größenwahnsinnigen Bauprojekten vorbei …

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… taumeln noch ein paar Autostraßen entlang, biegen dann bei ein paar ebenfalls größenwahnsinnigen, aber bereits bewohnten Menschensilos (siehe unten) rechts ab und gelangen dann durch eine ehemalige Kleingartensiedlung mit würfeligen Häusern …

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… in den Böhmischen Prater, über den wir auf diesen Seiten schon berichtet haben. Dort ist der Frühling bereits angebrochen, die Attraktionen werden abgestaubt und aus dem Winterschlaf befreit, die Lokale haben offen, das Leben und Treiben im Vergnügungspark kann beginnen.

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Wir aber marschieren schweren Herzens weiter, über die Löwygrube – die durchaus schön ist, aber leider eine einzige Hundeauslaufzone. Hundebesitzer (und vor allem -innen) sind ja für den Wanderer generell ein Problem, weil sie schlicht nicht begreifen können und wollen, dass sie ihre lieben Viecherln und Kampfbestien an der Leine halten sollen. Aber davon wird hierorts ein andermal die Rede sein.

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Nach Querung der Bitterlichstraße kommen wir bald wieder auf die Laaerbergseite, wo unsere Wanderung begonnen hat. Der Weg führt an einer alten Antennenanlage vorbei, wo die Firma Radio-Austria AG einst ihre Schnelltelegraphieempfänger betrieb und transkontinentale Kurzwellenverbindungen herstellte. Wir wissen auch nicht genau, was das heißt, finden die Relikte aber auf jeden Fall schöner als die allgegenwärtigen Handy-Sendetürme.

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Kurz vor dem oben abgebildeten gemütlichen Platzerl mitten zwischen Weingärten endet unsere Runde. Wir verlassen den Stadtwanderweg 7, freuen uns, daß wir ihn geschafft haben – werden uns aber in Zukunft wohl lieber irgendwo ein echtes altes Landgut suchen, fernab der Freuden des modernen Wiener Lebens. (Und in den Böhmischen Prater kommen wir anders auch).  (ph)


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