Tag 8: Der 12-km-Marsch nach Cannabiaca

Die Challenge

… siehe den Beitrag zu Tag 1

Tag 8

Der erste Tag der zweiten Woche meines Ripenses-Rüstungsexperiments beginnt mit einem Marsch zur nächsten Garnison am Donau-Limes : Cannabiaca.

Ich wohne in der Nähe eines römischen Wachturms, der wahrscheinlich mit Truppen aus Cannabiaca, einem Kastell in der Nähe von Zeiselmauer, besetzt war. Der Turm befindet sich etwa 300 m über der Donau und hat einen herrlichen Blick tief ins Land am Nordufer der Donau. Was die alte Limitanei (Landheer bzw. „Grenzer“; Anm. d. Red.) von diesem Turm aus gesehen hat, waren vermutlich Uferwälder, Feuchtgebiete und Flussinseln. Die Donau wäre vielleicht gar nicht so prominent hervorgestochen, da ein Großteil ihrer Arme von Wäldern verdeckt war.

© Michael Klein – www.7reasons.net

An den nördlichen Ufern hatten sie freien Blick auf die weite flache Ebene entlang des Flussbetts und die Hügelketten in der Ferne. Die ersten Erhebungen führen zu den Karpaten weiter nordöstlich. Und hinter ihnen der riesige Wald von Mons Cetium (Wienerwald), der sich bis zum Horizont erstreckte, wo an einem klaren Tag die ersten schneebedeckten Gipfel der Alpen zu sehen waren. Im Westen würden sie die Ebene des Tullnerfelds mit ihrer Garnison Cannabiaca erspähen, dann 20 km weiter westlich die Garnison Comagena mit einem dort stationierten Teil der Donauflotte und noch weiter westlich die Garnison von Asturis. Im Tullnerfeld wären zehntausende Pferde zu sehen gewesen, da in den Garnisonen die Kavallerie sehr stark vertreten war. Im Osten, hinter ein paar Hügeln versteckt, lag eine weitere Garnison, deren Namen wir heute nicht mehr kennen. Heute liegt an dieser Stelle Klosterneuburg. Dahinter lag eine noch größere Ebene, die sich bis nach Pannonien erstreckt und neben Vindobona die größte und wichtigste Stadt der Region beherbergte: Carnuntum. Der Marsch vom Turm zur Garnison von Cannabiaca führt durch bewaldete Hügel, an einem lang verlassenen bronzezeitlichen Hügelfort vorbei, über eine fünf Kilometer weite Ebene im Feuchtgebiet.

Trotz zweier großer, infizierter und offener Blasen und obwohl ich meine Schildtragekonstruktion noch nicht fertiggestellt hatte, beschloss ich, nach Cannabiaca zu marschieren. Ich hatte nur leichtes Gepäck dabei, weil damals alles Notwendige beim Turm lagerte und dort regelmäßig Versorgungswagen zur Nachlieferung anhielten.
Die ersten paar Kilometer waren schmerzhaft, da es hauptsächlich bergab ging und dadurch die Blasen noch mehr zum Handicap wurden. Nach vier Kilometer hörten sie dann irgendwann auf, bei jedem Schritt wehzutun. Was jedoch wirklich lästig wurde, war wieder der Schild. Ich muss jetzt dann wirklich eine historisch gut belegte und realistische Art finden, ihn zu tragen. Damit meine ich nicht etwas, das aus dem modernen gesunden Menschenverstand geboren wurde, sondern eine auf archäologischen, textuellen und ikonographischen Beweisen basierende Lösung.

Im Moment benütze ich ein geschlungenes Seil, das ich über den Schildgriff werfe und wie einen Rucksack an mich anschließe. Zu Beginn funktionierte das ganz gut, aber nach etwa sechs bis sieben Kilometern bekam ich wieder Krämpfe im Rücken und Nackenbereich. Breitere Lederriemen wären besser. Ich freue mich über Vorschläge von Gleichgesinnten, die praktikable Lösungen für dieses Problem gefunden haben.
Nach ein paar Stunden kam ich endlich in Cannabiaca an und konnte die Burgus-Ruinen sowie den einzigartig erhaltenen sekundären Burgus bestaunen, der noch genau so hoch ist wie im 4. Jahrhundert, nur mit einem neuen Dach ausgestattet.

Nach diesem Marsch kam ich nach Hause und aß herzhaft zu Abend. (So wie wir das nach den Touren in unserem Buch „Wandern im Wienerwald“ gern tun; Anm. d. Red.)

Zahlen von heute

Gesamttragezeit der Rüstung: 12,5 Stunden

Ernährung:

Frühstück: 739 kcal
Kohlenhydrate: 67 g
Fett: 37,3 g
Protein: 30,5 g

Abendessen: 1407 kcal
Kohlenhydrate: 74,4 g
Fett: 74,8 g
Protein: 103,6 g

Gewicht am Morgen: 84,4 kg
Körperfett: 18,9 %, BMI: 24,4

Gewicht am Abend: 84,8 kg
Körperfett: 19,1 %, BMI: 24,4

Wenn Sie mehr über Géza Franks Challenge erfahren wollen, können Sie ihm auch auf Instagram unter theageofarthur folgen.
Und wenn Sie glauben, dass seine Aktivitäten zur Förderung des römischen Erbes wie des Donau-Limes unterstützenswert sind, dann können Sie das für nur 1 $ über Patreon tun. (kat)


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